Kleinwindkraft in Deutschland: Bereit zum Durchstarten aber ausgebremst durch die Politik

EasyWind Kleinwindkraftanlage

Der deutsche Hersteller EasyWind exportiert ein Großteil der Anlagen

Der Markt für Kleinwindanlagen gehört weltweit zu den am stärksten wachsenden Segmenten der Erneuerbaren Energien. Nur in Deutschland wird diese Entwicklung verschlafen. Während andere Länder die Zukunftstechnologie unterstützen, findet die Energiewende in Deutschland ohne Kleinwindräder statt. Kleine Windkraftanlagen mit einer Leistung unter 100 kW dienen der dezentralen Stromversorgung. Typische Anwendungsfälle sind die autarke Stromversorgung eines Ferienhauses, als auch die kostengünstige Stromproduktion für einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Unzureichende Förderung von Kleinwindkraftanlagen in Deutschland

Auf Basis des EEG 2012 bekommt eine in Deutschland im Jahr 2012 installierte Windkraftanlage unter 50 kW eine Vergütung in Höhe von 8,93 Cent pro kWh. Bei einer jährlichen Degression der Einspeisetarife von 1,5 % liegt der Tarif im Jahr 2013 bei 8,8 Cent.

Eine kleine PV-Anlage unter 10 kW würde auch nach dem im Frühjahr 2012 angekündigten Kürzungen immer noch eine doppelt so hohe Förderung wie eine Kleinwindanlage gleicher Leistung bekommen. Im EEG 2012 ist für Multimegawatt Offshore-Windkraftanlagen eine Vergütung von bis zu 19 Cent pro kWh vorgesehen. Bei dem Tarif von 8,93 Cent für Kleinwindanlagen gilt: Abgespeist, statt eingespeist.

Deutschland wird gerne als Vorreiter in der Verbreitung Erneuerbarer Energien gelobt. Im Bereich der Kleinwindkraft ist genau das Gegenteil der Fall. Im Vergleich mit anderen Ländern fällt Deutschland bei der Marktentwicklung immer weiter zurück.

Bei dem derzeitigen niedrigen Einspeisetarif ist vor allem ein hoher Eigenverbrauch des Windstroms wichtig für die Wirtschaftlichkeit eines Kleinwindkraftrads in Deutschland. Auf was bei der Installation einer Anlage geachtet werden muss, wurde auf dem Kleinwindkraft-Portal in umfangreichen FAQ erläutert.

Es geht auch anders: Länder mit Vorbildcharakter

In anderen Ländern wurde das Potenzial der verbrauchsnahen Stromversorgung durch kleine Windkraftanlagen längst erkannt. Im Kleinwindkraft-Portal wurde über die beiden führenden Märkte Großbritannien und USA berichtet. In Europa dient zudem der Kleinwindkraft-Wachstumsmarkt Dänemark als Vorbild. Auch Japan plant einen großen Wurf bezüglich eines verbesserten Förderrahmens für kleine Windräder. Nicht nur in Industriestaaten werden netzgekoppelte Kleinwindkraftanlagen mit einem fairen Tarif bedacht. Auch Schwellenländer wie Brasilien haben Deutschland einiges voraus.

Fördermodelle: EEG und Net-Metering als zusätzliche Option

Das zum Jahresbeginn 2012 reformierte EEG war für die deutsche Kleinwindkraft-Branche ein Schock. Obwohl die Forderungen der Verbände durchaus bescheiden waren, wurde diesen in keiner Weise Rechnung getragen.

Der Bundesverband WindEnergie (BWE) hatte für kleine Windkraftanlagen unter 100 kW Leistung eine 20 Jahre feste Vergütung vorgeschlagen, die den heutigen Strombezugskosten von Haushaltskunden nahe kommt. Je nach Leistungsklasse der Anlagen wurden Tarife von 15 bis 22 Cent pro kWh vorgeschlagen.

Der Bundesverband Kleinwindanlagen (BVKW) hatte in einem Positionspapier vom Juni 2011 Fördersätze von 20 bis 30 Cent pro kWh genannt. Kleinwindanlagen haben danach eine Leistung bis 50 kW. Nach dem Modell des BVKW soll die Höhe des Tarifs u.a. nach dem Eigenverbrauchsanteil bemessen werden. Nur Betreiber mit über 50% Eigenverbrauch des Stroms bekommen den hohen Tarif.

Der BVKW könnte sich vorstellen, dass es Anlagenbetreiber gibt, die aufgrund der viel zu niedrigen EEG-Vergütung für Kleinwindanlagen einen Wechsel raus aus dem EEG und rein in den Markt vollziehen würden. Dies allerdings nur dann, wenn in Deutschland für diese netzbetreiberseitig irrelevanten Kleinanlagen endlich auch das Net-Metering erlaubt wird, wie es in anderen Staaten längst der Fall ist. Das wäre ohne großen gesetzestechnischen Aufwand zu bewältigen und würde eine echte Ergänzung zum EEG darstellen.

Beim Net-Metering wird kein fixer Einspeisetarif gezahlt. In das Netz eingespeister Strom wird mit dem aktuellen Haushaltsstrompreis vergütet. Anders ausgedrückt: Bei Strom, der nicht selbst verbraucht und somit eingespeist wird, läuft der Stromzähler rückwärts. Vorbild ist dabei Dänemark, das sehr erfolgreich das Fördermodell des Net-Meterings implementiert hat. Seit der Implementierung im Sommer 2010 ist der Markt für Kleinwindräder in Dänemark in Fahrt gekommen. Vier neue Hersteller aus Dänemark haben seitdem den Markt betreten.

Industrie und Forschung zu Kleinwindanlagen in Deutschland mit großem Potenzial

Die Produktion von Kleinwindkraftanlagen schafft Arbeitsplätze (Foto: Aircon)

Ein Grundgedanke des EEG war und ist industriepolitischer Natur: Umweltfreundliche Technologien sollen bis zur Marktreife unterstützt werden. Im Bereich der Großwindkraft hat Deutschland durch das EEG große Erfolge verzeichnen können. Es wurden tausende Arbeitsplätze bei Herstellern und Zulieferern geschaffen, ein Großteil der Produktion wird exportiert.

Ein im März 2012 veröffentlichter internationaler Marktbericht der World Wind Energy Association (WWEA) hat ergeben, dass Deutschland zu den führenden Ländern gehört, was die Anzahl von Kleinwindkraftanlagen-Herstellern angeht. In Deutschland gibt es 27 Produzenten kleiner Windräder. Nur in den USA und China gibt es mit 58 bzw. 57 Unternehmen mehr Hersteller.

Nicht nur in den Unternehmen beschäftigen sich zahlreiche Ingenieure mit der Entwicklung von Kleinwindanlagen. Auch in deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen hat man das Potenzial der Kleiwindkraft erkannt.

Dieses Potenzial kann nur dann geborgen und in eine wettbewerbsfähige Industrie transformiert werden, wenn die Rahmenbedingungen für Kleinwindanlagen in Deutschland verbessert werden. Ansonsten wird die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Kleinwindkraft-Branche an Deutschland vorbei gehen. Deutsche Hersteller wenden sich schon jetzt vom Heimatmarkt ab und denken über die Verlagerung der Produktion in lukrativere Märkte nach.

Kleine Windkraftanlagen müssen Teil der Energiewende sein!

Nicht nur an politisch aktive Bürger richtet sich der dringende Appell, für die Belange der Kleinwindkraft einzustehen. Das fängt bei der Bewusstseinsbildung an, dass kleine Windkraftanlagen ein Teil der Energiewende sein müssen. Vorteile und Nutzen von kleinen Windrädern müssen stärker kommuniziert werden. Das gilt auch gegenüber den Entscheidungsträgern vor Ort, die einen Einfluss auf die Genehmigung der Anlagen haben.

Aus Sicht der Kleinwindkraft-Branche hat das EEG bislang versagt. Andere Fördermöglichkeiten wie Net-Metering müssen in Betracht gezogen werden. Ein Förderrahmen muss nicht nur auf Bundesebene diskutiert werden. Auch eine Förderung auf Ebene der Bundesländer oder durch regionale Energieversorger könnte eine Option sein.

Das Interesse an Kleinwindanlagen seitens der Bürger ist riesig, wie man auf jeder Energiemesse in Erfahrung bringen kann. Eine stärkere politische Unterstützung der Kleinwindkraft würde somit auf fruchtbaren Boden fallen.

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