Stromspeicher fürs Haus kaufen | Leitfaden vom neutralen Experten

Stromspeicher fürs Haus kaufen:
Leitfaden vom Experten

Stromspeicher fürs Haus kaufen

Der Wunsch vieler Hausbesitzer: Selbstversorgung mit Strom aus Sonne (Photovoltaik) und Wind. Der Stromspeicher ist dafür unverzichtbar. Doch was muss man beim Kauf eines Batteriespeichers fürs Eigenheim oder Gewerbegebäude beachten?

Dieser aktuelle und umfangreiche Bericht eines neutralen Experten erläutert, auf was es bei einem neuen Solarstromspeicher ankommt. 

Nimm dir die Zeit für diesen Beitrag, damit du auch noch nach 10 Jahren glücklich mit der Batterie im Keller bist. 

1 - Warum ein Stromspeicher fürs Haus?

Was ist der primäre Nutzen eines Stromspeichers im Gebäude? Autarkie! Das heißt Eigenversorgung mit sauberem Strom durch Photovoltaik oder Kleinwindkraft.

Ein Großteil des jährlichen Strombedarfs des Gebäudes wird selbst erzeugt. Das bedeutet gleichzeitig eine hohe Unabhängigkeit vom Stromversorger.

Ohne Speicher wird ein Großteil des Stroms der Photovoltaikanlage ins öffentliche Netz eingespeist. Deshalb muss man noch viel Strom vom Energieversorger kaufen. Diese Abhängigkeit ist aufgrund der steigenden Strompreise für viele Hausbesitzer ärgerlich. Mit einem Stromspeicher wird man immun gegen steigende Strompreise.

Der Batteriespeicher löst ein zentrales Problem: Die Sonne scheint nicht immer, wenn Strom im Haus benötigt wird. Der Speicher nimmt überschüssigen Solarstrom auf und stellt ihn später bereit. Das Gleiche gilt für den Strom einer Miniwindanlage.

Photovoltaikanlage Stromspeicher

Foto: Patrick Jüttemann

2 - Batterie + Energiequelle

Ein Batteriespeicher wird immer zusammen mit einem Stromerzeuger eingesetzt.

Batterie + Photovoltaik

Ratsam ist anfangs die Kombination aus Stromspeicher und Photovoltaik (Solarstrom). Photovoltaikanlagen sind günstig und einfach zu installieren. Stromspeicher fürs Haus sind primär für die Verwendung mit Photovoltaikanlagen ausgelegt. Deshalb wird oft die Bezeichnung „Solarstrompeicher“ benutzt.

Mit Photovoltaikanlage und Stromspeicher kann ein Autarkiegrad von 50 bis 70 Prozent erreicht werden. Der Autarkiegrad gibt an, wie viel des jährlichen Strombedarfs eines Gebäudes selbst gedeckt wird. Ohne Batterie wird eine Solarstromanlage nur rund 30 Prozent Autarkie ermöglichen, so dass 70 Prozent des jährlichen Strombedarfs noch aus dem öffentlichen Netz bezogen werden müssen.

Batterie + Photovoltaik + Miniwindkraft

An ein System bestehend aus Heimspeicher und Solarstromanlage lässt sich auch eine Kleinwindanlage anschließen. Die Miniwindanlage übernimmt eine wichtige Funktion: sie schließt die Versorgungslücke im sonnenschwachen Winter. Mit der Kombination aus Batteriespeicher, Photovoltaik und Kleinwindkraft kann ein Autarkiegrad von 80 bis 100 Prozent erreicht werden.

Der Solarstromspeicher wird dann zusätzlich zum Windstromspeicher. Dafür muss der Batteriespeicher allerdings die technischen Voraussetzungen haben. Geeignet sind dafür AC-gekoppelte Stromspeicher, die über die Wechselstromseite in die Hausversorgung integriert werden. Der Strom der Kleinwindkraftanlage wird über einen eigenen Wechselrichter in Wechselstrom gewandelt, ins Hausnetz eingespeist und über diesen Weg der Batterie bereitgestellt.

Kleinwindanlage im Schnee

Mini-Windanlage auf 10 m Mast (Foto: Albert Fink)

In einem PV-Kleinwind-Batterie-System kann man in der Regel eine kleinere Batterie nehmen. Denn die Erzeugung von Strom durch Sonne und Wind ergänzt sich über den Tages- und Jahresverlauf gut. Durch die Batterie zu überbrückenden Flauten ohne Wind und Sonne kommen seltener vor.

In der folgenden Grafik zeigen die blauen Pfeile den Autarkiegrad der Stromversorgung eines Gebäudes an. Die orangenen Pfeile die Abhängigkeit vom Stromversorger. 

Autarkiegrad Photovoltaik Speicher Kleinwindkraft

Autarkiegrad der Stromversorgung eines Gebäudes

Grafik: Patrick Jüttemann

3 - Wichtige Fakten zu Batteriespeichern

Wer den Kauf eines Stromspeichers in Betracht zieht, sollte diese Fakten kennen…

Zentrale fürs Energiemanagement

Die Funktionen einer Hausbatterie gehen weit über das reine Speichern von Strom hinaus. Ein Stromspeicher wird zur Zentrale des Energiemanagements im Gebäude. Bei einer Betriebszeit von rund 15 Jahren muss die Auswahl des Geräts wohl überlegt sein. Das gilt auch für zukünftige Erweiterungen wie der Anschluss einer Ladestation fürs E-Auto.

Lithiumbatterien Stand der Technik

Lithiumbatterien haben sich im jahrelangen Wettstreit mit Bleibatterien durchgesetzt, was den stationären Einsatz in Gebäuden angeht.  Heimspeicher auf Lithiumbasis haben mittlerweile eine marktbeherrschende Stellung.

Marktentwicklung Lithium- und Bleibatterien

Marktentwicklung Lithium- und Bleibatterien

Quelle der Grafik: ISEA - RWTH Aachen

Lithiumbatterien können häufiger geladen werden und haben eine längere Lebensdauer sowie höheren Wirkungsgrad. Es ist eine anwenderfreundliche Technologie, was den Aufstellungsort und das Betriebsverhalten angeht. Das Umweltbundesamt hat die Sicherheit von Lithiumbatterien bestätigt.

Deutschland größter Markt weltweit

Deutschland ist weltweit der größte Absatzmarkt für stationäre Batteriespeicher in Gebäuden. Im August 2018 wurde der hunderttausendste Stromspeicher in Deutschland installiert. Allein im Jahr 2018 wurden rund 45.000 Heimspeicher in Betrieb genommen, davon 85 Prozent gemeinsam mit einer neuen Solarstromanlage.

Mit einem starken Heimatmarkt im Rücken, haben sich deutsche Hersteller von Batteriespeichern gut entwickelt. Von denen in Deutschland verkauften Stromspeichern stammen über 50 Prozent von deutschen Herstellern. Auch auf vielen Auslandsmärkten sind deutsche Anbieter von Heimspeichern gut positioniert.

Deutschland Markt für Solarstromspeicher

Produktion von Heimspeichern Made in Germany

Foto: sonnen GmbH

Unterschiede bei der Produktqualität

Unabhängige Tests durch Forschungseinrichtungen wie dem KIT und der RWTH Aachen haben deutliche Unterschiede in der Performanz einzelner Batteriespeicher ergeben.

Festgestellt wurden auch Abweichungen zu den Datenblattangaben der Hersteller. Eine unschöne Situation für die Käufer, da ein Vergleich von Stromspeichern nicht möglich ist.

Als Reaktion wurde eine breit angelegten Qualitätsinitiative durch Verbände, Hersteller, Hochschulen und Forschungseinrichtungen Maßnahmen ergriffen, um die Produktqualität und Markttransparenz zu verbessern („Effizienzleitfaden für PV-Speichersysteme“).

Immer mehr der heute angebotenen Stromspeicher können mit hohen Wirkungsgraden überzeugen (siehe unten: Stromspeicher Test 2019).

Autarkie versus Wirtschaftlichkeit

Bei der Auswahl eines Stromspeichers fürs Haus steht man vor einem Zielkonflikt: je höher die Speicherkapazität und damit der Autarkiegrad des Gebäudes, desto geringer die Wirtschaftlichkeit des Stroms aus der Batterie.

Batteriespeicher Autarkie Wirtschaftlichkeit

Abwägung zwischen Autarkie und Wirtschaftlichkeit

Grafik: Patrick Jüttemann

Wer auf einen möglichst wirtschaftlichen Batteriespeicher setzt, sollte für die Photovoltaikanlage einen kleinen Speicher wählen. Wer eine möglichst hohe Selbstversorgung des Hauses anstrebt, wird in Kombination mit der Solarstromanlage einen großen Speicher wählen. Verbunden mit höheren Kosten des Speicherstroms.

Auf die Auslegung d.h. Größenbestimmung des Solarstromspeichers wird unten näher eingegangen (Tipps für den Kauf).

4 - Kosten von Stromspeichern

Lohnt sich ein Stromspeicher fürs Haus?

Wichtig: ein Stromspeicher ist primär kein Renditeobjekt. Mit einem gut ausgewählten Gerät wird man keinen wirtschaftlichen Nachteil haben. Aber das Motiv für den Kauf eines Batteriespeichers sollte primär die Selbstversorgung mit Strom sein. Ein Stromspeicher macht unabhängig, nicht reich.

Wer nur auf Rendite bzw. maximale Senkung der Stromkosten aus ist, sollte zunächst nur eine Photovoltaikanlage ohne Speicher installieren. Denn Solarstrom ist unschlagbar günstig. Die Eigenversorgung (Autarkie) wird dann allerdings gering sein.

Kosten-Entwicklung: kaufen oder warten?

Soll ich den Stromspeicher heute schon kaufen, oder noch warten, bis die Kosten weiter gesunken sind?

Die Preise für Stromspeicher sind in den letzten Jahren stark gefallen. Seit 2013 um 50 Prozent. Damit haben Heimspeicher die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit erreicht. Wer beim Kauf eines Heimspeichers eine gute Wahl trifft, wird wirtschaftlich nicht schlechter dastehen wie mit einer Vollversorgung durchs öffentliche Netz.

Kosten-Entwicklung Stromspeicher Gebäude

Entwicklung Endkundenpreise von Lithiumbatterien

Grafik: RWTH Aachen / Speichermonitoring

Letztendlich steht man beim Kauf vieler technischer Geräte wie auch Computer und Handy etc. vor der gleichen Situation: wenn ich mit dem Kauf warte, bekomme ich mehr für mein Geld.

Wer auf weitere Kostensenkung setzt und warten will, sollte wissen: es ist fraglich, ob die Kostenreduktion in den kommenden Jahren so stark sein wird, wie in den Vorjahren.

Fazit: man kann heute schon investieren. Sofern man einen guten und fürs eigene Haus passenden Batteriespeicher wählt.

Aktuelle Kosten 2019

Wie hoch sind die Kosten für Stromspeicher im Jahr 2019?

Für ein Eigenheim kostet ein Batteriespeicher zwischen 5.000 bis 15.000 Euro. Der Kaufpreis hängt von vielen Faktoren ab, wie der Größe des Speichers (Nettokapazität) und der Ausstattung etc.

Nach Angaben der RWTH Aachen (Speichermonitoring) liegen die Kosten für die Kilowattstunde (kWh) nutzbare Kapazität zwischen 900 und 1.800 Euro. Durchschnittswert: 1.200 € pro kWh.

Ein 4-Personen-Haushalt mit 5.000 kWh jährlichem Stromverbrauch wird eine nutzbare Speicherkapazität von rund 5 bis 8 kWh wählen. Setzt man den Durchschnittswert von 1.200 Euro pro kWh an kommt man auf einen Preis von 6.000 bis rund 10.000 Euro.

Wichtig: bei der Wahl eines Stromspeichers nicht nur auf den Kaufpreis schauen. Das vom Preis günstigere Gerät kann langfristig teurer sein. Dazu mehr im nächsten Abschnitt… 

Wirtschaftlichkeit

Die Wirtschaftlichkeit eines Batteriespeichers bezieht nicht nur die Kosten, sondern auch den Ertrag mit ein. Ertrag bedeutet: wie viel Strom stellen die Akkus während der Lebenszeit bereit?

Wenn ein vom Kaufpreis günstiger Batteriespeicher während seiner Lebenszeit deutlich weniger Strom bereitstellt, dann kann dessen Wirtschaftlichkeit geringer sein, als beim teureren Gerät.

Wenn man die Stromspeicher-Kosten berechnen will, muss man die Kosten für die Kilowattstunde Strom betrachten. Als Beispiel betrachten wir zwei Stromspeicher mit einer Kapazität von 6 kWh.

Header

Batterie A

Batterie B

Speicherkapazität:

6 kWh

6 kWh

Lebenszeit:

15 Jahre

15 Jahre

Kaufpreis:

6.000 Euro

6.500 Euro

Strommenge:

20.000 kWh

27.000 kWh

Stromkosten:

6.000 / 20.000 =
30 Cent pro kWh

6.500 / 27.000 =
24,1 Cent pro kWh

Fazit: Batterie A ist zwar 500 Euro günstiger, stellt aber deutlich weniger Strom bereit. Deshalb sind die Stromkosten von 30 Cent pro kWh höher, als bei Batterie B mit rund 24 Cent pro kWh. Batterie B lohnt sich mehr für den Betreiber.

Wann ist ein Batteriespeicher wirtschaftlich?

Zu den Kosten des Speicherstroms muss die Erzeugung des Stroms durch die Solarstromanlage addiert werden. Mit Bezug zum obigen Beispiel: zu den 24 Cent pro kWh Speicherstrom kommen rund 10 Cent pro kWh für die Erzeugung des Solarstroms hinzu. In der Summe sind das 34 Cent pro kWh.

Die Gesamtkosten des eigenen Photovoltaik-Speicherstroms müssen mit dem Strompreis verglichen werden. Für Haushalte liegt der Strompreis im Jahr 2019 in Deutschland bei rund 30 Cent pro kWh. Mit 34 Cent wäre der eigene Photovoltaik-Speicherstrom heute zwar noch teurer als der Bezug aus dem öffentlichen Netz. Aber je nach Steigerung des Strompreises wird die Eigenversorgung in wenigen Jahren günstiger sein.

Alles in allem haben Heimspeicher die Schwelle der Wirtschaftlichkeit erreicht. Während der Betriebszeit des Speichers wird man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit wirtschaftlich nicht schlechter stellen, als im Vergleich zum Bezug aus dem öffentlichen Netz.

Generell gilt: je höher der Stromverbrauch des Gebäudes und damit auch die Speicherkapazität der Batterie, desto günstiger wird der Speicherstrom. Größere Gewerbespeicher können sich in vier bis acht Jahren amortisieren.

Förderung

Das bundesweite Förderprogramm der KfW für Heimspeicher ist Ende 2018 ausgelaufen. Man profitiert aber heute noch indirekt davon. Mit einem Volumen über 530 Millionen Euro wurde der Markt für gebäudeintegrierte Stromspeicher durch das Förderprogramm massiv angeschoben. Mit dem Ergebnis stark steigender Produktionszahlen und sinkenden Preisen.

Es gibt diverse regionale Förderprogramme auf Ebene der Bundesländer, Kreise und Gemeinden, als auch von regionalen Energieversorgern. Das Fördersystem gleicht einem Flickenteppich und ist laufenden Änderungen unterworfen. Deshalb sollte man sich bei einer regionalen Energieagentur oder Verbraucherzentrale informieren, ob Fördertöpfe vor Ort verfügbar sind. Oft wird ein Photovoltaik-Speicher-System als Kombination gefördert.

Fazit (Kosten und Wirtschaftlichkeit)

Batteriespeicher fürs Gebäude haben die Schwelle der Wirtschaftlichkeit erreicht. Bei der Auswahl eines guten und fürs Haus passenden Stromspeichers wird die Stromversorgung nicht teurer sein, als der Strombezug aus dem öffentlichen Netz. Ein preisgünstiger Stromspeicher kann langfristig die wirtschaftlich schlechtere Alternative sein, wenn er weniger Strom bereitstellt.

Stromspeicher fürs Eigenheim - Ratgeber 2019

Stromspeicher fürs Eigenheim

Ratgeber 2019 (E-Book als PDF)

Wie man mit einer Batterie im Haus zum Selbstversorger durch Solar- und Windkraft wird.

5 - Stromspeicher Test 2019

Für den Käufer eines Batteriespeichers sind unabhängige Tests eine große Hilfe. Auf eigene Faust Datenblätter verschiedener Hersteller zu vergleichen ist aufwendig und kann in die Irre führen. Denn die angegebenen Werte sind nicht immer vergleichbar.

Mit der Stromspeicher-Inspektion 2019 hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) im Juni 2019 einen neuen Test und Vergleich verschiedener Batteriespeicher herausgegeben.

Unter den Gewinnern befinden sich zum einen kombinierte Speichersysteme, bei denen der Batteriewechselrichter und die Batterie nach außen erkennbar von unterschiedlichen Herstellern angeboten werden. 

Stromspeicher-Inspektion 2019

Dazu gehört das Gewinner-System von KOSTAL (Wechselrichter) und BYD (Batterie).

Stromspeicher Haus - Kombi-System

Kombiniertes Speichersystem: Batterie (unten) kann mit diversen Wechselrichtern (oben) kombiniert werden

Foto: Patrick Jüttemann

Zum anderen können auch integrierte Speichersysteme überzeugen, bei denen unter einem Gehäuse das komplette System von einem Hersteller angeboten wird. Zu den integrierten Herstellern gehören beispielsweise die deutschen Hersteller sonnen, RCT und E3/DC.

Integriertes Speichersystem (Foto: E3/DC)

Die Spitzenreiter des Batteriespeicher-Tests können mit einem sehr guten Systemwirkungsgrad (System Performance Index) von über 90 Prozent überzeugen. Hier die erfolgreichen Anbieter der Speichersysteme im Überblick:

  • KOSTAL (Wechselrichter) und BYD (Batterie)
  • RCT (Integriertes System)
  • SMA (Wechselrichter) und BYD (Batterie)
  • SMA (Wechselrichter) und LG Chem (Batterie)
  • Siemens Junelight (Integriertes System)
  • sonnen (Integriertes System)

Die aktuelle Studie von 2019 mit den genauen Test-Ergebnissen und Modellbezeichnungen der Gewinner findet man über folgende Seite: Stromspeicher-Inspektion.

Aus Käufersicht bietet der Stromspeicher-Test der HTW Berlin eine gute Orientierung für die Auswahl eines Batteriespeichers. Denn auf dem Markt werden über 400 verschiedene Batteriespeichersysteme angeboten.

Allerdings muss man die Testergebnisse richtig einordnen. Betrachtet wurde nur die Ertragsseite eines Stromspeichers, verbunden mit der Frage: Wie effizient sind die Speicher? Wie hoch sind die Umwandlungsverluste etc.?

Ein umfassendes Bild bei Vergleich und Auswahl eines Heimspeichers bekommt man, wenn man auch die Kostenseite einbezieht. Aktuelle Kosten und Preise wurden in der Studie nicht thematisiert. Ertrag und Kosten müssen in Relation zueinander gestellt werden (siehe oben im Abschnitt Wirtschaftlichkeit). Die Auswahl eines passenden Speichers basiert zudem auch auf der Ausstattung und dem Funktionsumfang.

Mehr zu Kauftipps im nächsten Kapitel…

6 - Tipps für den Kauf eines Batteriespeichers

Die Wahl muss wohlüberlegt sein: für einen Stromspeicher legt man eine vier- bis fünfstellige Summe hin. Das Gerät wird für rund 15 Jahre eine zentrale Funktion bei der Stromversorgung des Gebäudes übernehmen. Energiemanagement inklusive.

Auswahl eines Stromspeichers für Haus muss wohl überlegt sein

Foto: sonnen GmbH

Keine gute Idee ist eine Schnellschuss-Methode: per Google-Suche werden oben stehende Suchtreffer (Anbieter, Shops etc.) ausgewählt. Dann werden rund drei Angebote eingeholt und der Stromspeicher mit dem günstigsten Preis ausgewählt.

Wer billig kauft, gibt langfristig oft mehr Geld aus. Wie schon erwähnt, ist der preisgünstigste Batteriespeicher nicht automatisch die wirtschaftlichste Option.

Beim Kauf eines Stromspeichers gibt in der Regel zwei Ausgangssituationen:

1. Der Speicher wird gemeinsam mit einer Solarstromanlage neu installiert.
2. Der Speicher wird für eine bestehende Photovoltaikanlage nachgerüstet.

Eine etwaige Kleinwindanlage wird in den meisten Fällen nachträglich installiert d.h. wenn eine Solarstromanlage und am besten auch ein Speicher schon vorhanden sind.

Speicher und Photovoltaik neu kaufen

Wer als Hausbesitzer in eine Solarstromanlage mit Speicher investieren will, kann verschiedene Wege der Anbieterwahl beschreiten:

  • Zuerst guten Hersteller einer Photovoltaikanlage und davon ausgehend einen passenden Speicher wählen.
  • Zuerst den Heimspeicher und dazu eine passende Solarstromanlage wählen.
  • Vom Fachbetrieb vor Ort ein Angebot für ein Komplettpaket machen lassen.

Es ist es vorteilhaft, zuerst einen guten und passenden Stromspeicher zu wählen. Davon ausgehend wird ein mit der Batterie kompatibles Photovoltaiksystem genommen. Warum? Bei der Wahl der Photovoltaikanlage kann man weniger falsch machen, als beim Batteriespeicher. Aus folgenden Gründen…

Batteriespeicher befinden sich  in einer frühen Marktphase mit großen Unterschieden in der Produktqualität. Die Photovoltaik dagegen ist eine reife Industrie mit folgenden Kennzeichen: Massenproduktion, nach Marktbereinigung wenige Hersteller, hohe Produktqualität (teils Leistungsgarantien bis 25 Jahre etc.).

Richtige Größe für Photovoltaik und
Batteriespeicher bestimmen

Mit der 1:1:1-Regel kann man einfach die Leistung der Photovoltaikanlage in Kilowatt, als auch die Speicherkapazität der Batterie in Kilowattstunden bestimmen. Ausgangspunkt ist der jährliche Stromverbrauch des Hauses.

Die Faustregel: Je 1 Megawattstunde  Jahresstromverbrauch (= 1.000 kWh) nimmt man 1 Kilowatt Leistung der Photovoltaikanlage und 1 Kilowattstunde nutzbare Speicherkapazität (Nettokapazität).

Ein Beispiel: Liegt der jährliche Stromverbrauch des Gebäudes bei 4.500 Kilowattstunden (= 4,5 Megawattstunden), so wählt man eine Photovoltaikleistung von 4,5 Kilowatt und eine Nettokapazität des Speichers von 4,5 Kilowattstunden.

Stromspeicher nachrüsten

Wenn ein Batteriespeicher für eine schon vorhandenen Solarstromanlage nachgerüstet werden soll, dann wird das flexibel über eine AC-gekoppelte Batterie realisiert. AC (Alternating Current) ist die Bezeichnung für Wechselstrom. Die Batterie wird einfach an das Wechselstromnetz des Hauses angeschlossen. Der Solarstrom wird also nicht direkt per Gleichstrom in die Batterie geladen, sondern über den Umweg des Wechselstromnetzes.

Wenn eine Photovoltaikanlage schon vorhanden ist, dann wählt man die Speicherkapazität der Batterie wie oben beschrieben ausgehend vom jährlichen Stromverbrauch des Hauses (1:1 Relation). Pro 1.000 Kilowattstunden (kWh) jährlichem Stromverbrauch wird eine Kilowattstunde Nettokapazität der Batterie angesetzt. 

Überdimensionierung vermeiden

Die von der RWTH Aachen kontinuierliche Marktanalyse zu Batteriespeichern hat ergeben, dass die durchschnittliche Speicherkapazität ansteigt. Aber sind Stromspeicher mit immer höherer Nettokapazität aus Käufersicht sinnvoll? Nein, eher nicht. Denn prinzipiell gilt: je kleiner ein Speicher, desto wirtschaftlicher ist er.

Man sollte sich an der oben erläuterten Auslegungsregel orientieren. Pro 1.000 kWh jährlichem Stromverbrauch 1 kWh nutzbare Speicherkapazität.

Wer primär eine maximale Unabhängigkeit vom Stromversorger haben will und dafür das Geld parat hat, wird die Batterie größer dimensionieren.

Ausstattung und Funktionen

Welche Aufgaben soll der Batteriespeicher nicht nur heute, sondern auch in Zukunft erfüllen? Wer heute einen Stromspeicher kauft, sollte eine zukunftsfähige Ausstattung wählen. Damit man nicht in fünf oder zehn Jahren seine Entscheidung bereut.

Ein Batteriespeicher kann  umfangreiche Aufgaben des Energiemanagements erfüllen. Das hängt davon ab, welche Schnittstellen und Kommunikationsprotokolle das Gerät unterstützt.

Energiemanagement Batteriespeicher_ZVEH

Batteriespeicher als Zentrale des Energiemanagements

Foto: ZVEH

Pauschale Empfehlungen sind nicht sinnvoll, da jeder Hausbesitzer andere Pläne hat. Der eine plant beispielsweise die Anschaffung eines E-Autos, für den anderen kommt ein E-Auto nicht in Frage.

Der Käufer des Heimspeichers sollte überlegen, welche Aufgaben in Zukunft anstehen könnten:

  • Anschluss eines weiteren Photovoltaikanlage
  • Anschluss einer Kleinwindanlage
  • Integration einer Ladestation fürs E-Auto
  • Integration einer Wärmepumpe
  • Wärmeerzeugung durch Solar- und Windstrom per Heizstab
  • Hausautomatisierung (Waschmaschine, Spülmaschine etc.)
  • Steuerung von Heizthermostaten
  • Teilnahme an zukünftigen Regelenergiemärkten etc.

Der Anbieter des Stromspeichers muss darauf eine Antwort haben und Lösungen vorschlagen können. Je mehr offene Standards und herstellerübergreifende Lösungen eingebunden werden können, desto zukunftsfähiger ist das System.

Wichtig ist auch die Möglichkeit der modularen Erweiterung mit zusätzlichen Speicherblöcken. So ist man auf der sicheren Seite: den Speicher zunächst klein auslegen. Später kann man  dann zusätzliche Speichermodule draufsatteln, falls notwendig.

Garantiebedingungen

Generell muss man darauf achten, auf welche Geräte die Garantie gilt. Für das Komplettsystem mit allen Komponenten wie Batteriespeicher und Wechselrichter, oder für einzelne Komponenten? Vorteilhaft ist eine Systemgarantie mit gleicher Garantiezeit für alle Komponenten. Bei separaten Garantiebedingungen für einzelne Komponenten könnte es im Garantiefall Probleme geben, wenn beispielsweise der Hersteller des Batteriemoduls und des Wechselrichters die Ursache des Problems jeweils auf den anderen schieben.

Als Quasistandard hat sich eine Zeitwertersatzgarantie von zehn Jahren auf eine Mindestkapazität von 80 Prozent etabliert. Zeitwertersatz bedeutet: Bei einem Defekt der Batterie wird nicht der volle Anschaffungspreis ersetzt, sondern nur der Restwert (Anschaffungswert abzüglich der bisherigen Abschreibungen). Immer mehr Hersteller gehen zu einer Vollwertersatzgarantie über.

Eine Garantie auf die Speicherkapazität (Mindestkapazität) ist deshalb wichtig, da die Akkus im Zeitverlauf an Speicherfähigkeit verlieren. Nach einem Zeitraum von 10 Jahren sollte der Batteriespeicher mindestens eine Nennkapazität von 80 Prozent haben.

Alternativ oder zusätzlich wird die Mindestkapazität für eine bestimmte Zyklenzahl garantiert. Beispiel: ein Hersteller gibt eine Garantie für eine Mindestkapazität von 80 Prozent für einen Zeitraum von 10 Jahren und zusätzlich für 10.000 Ladezyklen.

Autor: Patrick Jüttemann

Stromspeicher fürs Eigenheim - Ratgeber 2019

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Wie man mit einer Batterie im Haus zum Selbstversorger durch Solar- und Windkraft wird.

Patrick Jüttemann

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Jüttemann

Über den Autor

Viele Hausbesitzer wollen eigene Energie erzeugen. Doch die Wahl einer passenden Energielösung fürs Gewerbegebäude oder Eigenheim ist anspruchsvoll. Photovoltaik, Batteriespeicher, Kleinwindanlage… wie passt das alles zusammen?

Als neutraler Experte zeige ich in meinen Publikationen, wie man eine maßgeschneiderte Energieversorgung fürs eigene Haus realisiert. Fundiertes Fachwissen ist besser als zeitintensive Recherche im Internet mit zweifelhaften Ergebnissen.

Jeder Hausbesitzer, der in die Eigenversorgung mit sauberer Energie investiert, hilft auch dem Allgemeinwohl. Solche Menschen verdienen eine bestmögliche Unterstützung.