Wirtschaftlichkeit und Nutzen der kleinen Windkraft

Der Nutzen der Kleinwindkraft

Wann macht eine Kleinwindanlage Sinn? Welchen Nutzen kann ein Windrad stiften? Der Nutzen der Kleinwindkraft wird nicht alleine an der Wirtschaftlichkeit beurteilt. Auch andere Motive dienen als Beweggrund für die Aufstellung einer kleinen Windkraftanlage, wie z.B. Technik-Begeisterung oder eine proaktiv-ökologische Mitgestaltung der Energiewende. Auch ein Kleinwind-Projekt ohne Rendite oder gar Voll-Amortisation kann einen wichtigen Nutzen stiften. Das gilt vor allem in der Ergänzung zu Solaranlagen, was die saisonale Energiebereitstellung angeht.

Wirtschaftlichkeit der Kleinwindkraft in Deutschland und Mitteleuropa

Unter guten Standortbedingungen können Kleinwindkraftanlagen schon jetzt in Deutschland wirtschaftlich betrieben werden. Das Wichtigste ist eine windstarke Lage. In den für kleine Windenergieanlagen typischen Aufstellungshöhen bis 30 m sind die Windverhältnisse schlechter, als es bei Großwindkraftanlagen über 100 m der Fall ist. An vielen Standorten wird die Amortisation einer Kleinwindanlage lange auf sich warten lassen. Wer als privater Anleger lediglich auf Renditen durch Windenergie aus ist, sollte sein Geld lieber in einen Bürgerwindpark investieren. Für Landwirte in freier Lage und mit einem hohen Stromverbrauch ist die Schwelle der Wirtschaftlichkeit mit einer kleinen Windkraftanlage dagegen viel niedriger. Der Einzelfall entscheidet.

Um die Wirtschaftlichkeit der Kleinwindkraft beurteilen zu können, bietet sich ein Vergleich mit der Photovoltaik an. Auch Solarstromanlagen waren in Deutschland lange Zeit durch ein Nischendasein gekennzeichnet. Die Anpassung des staatlichen Förderrahmens auf Basis des Erneuerbaren Energien Gesetzes führte zu kostendeckenden Einspeisetarifen. Durch die verstärkte Massenproduktion wurde kostenseitig die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen im Laufe der Jahre erheblich verbessert. Der Photovoltaik-Boom in Deutschland ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Verbreitung einer jungen Technologie.

Die Wirtschaftlichkeit von Kleinwindkraftanlagen in Deutschland verbessert sich kontinuierlich aufgrund der steigenden Strompreise. Der Einspeisetarif für Strom aus Windkraft liegt mit rund 9 Cent pro kWh viel zu niedrig. Sinnvoll ist dagegen der Selbstverbrauch. Der Wert des selbst verbrauchten Windstroms bemisst sich durch die eingesparten Strombezugskosten in Höhe des aktuellen Strompreises. Tipp: Mit einem Excel-Tool lassen sich Stromerträge und Wirtschaftlichkeit diverser Kleinwindanlage berechnen. In manchen Ländern wie Italien und Großbritannien liegen die Einspeisetarife für Kleinwindkraftanlagen viel höher, wirtschaftlich ist die Einspeisung und der Eigenverbrauch. Fazit: In Deutschland und Österreich dienen Kleinwindanlagen der eigenen Bedarfsdeckung mit Energie.

Gesamtökonomische Beurteilung und Markt-Potenzial von Kleinwindanlagen

Kleinwindenergieanlagen stehen auch im Jahr 2016 in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch am Anfang. Es handelt sich um einen jungen Markt, der sich aber kontinuierlich entwickelt. Wie viele kleine Windräder bislang in Deutschland installiert wurden, lässt sich nicht zuverlässig ermitteln. Es gibt keine statistische Erfassung wie beispielsweise bei PV-Anlagen. In Deutschland ist am 01.08.2014 das Anlagenregister für Erneuerbare Energien in Kraft getreten. Inwieweit die Erfassung von Kleinwindanlagen konsistent durchgeführt wird, bleibt abzuwarten. Wenn man kleine Hobby-Windräder unter einem Kilowatt Leistung einbezieht, dann sind jährliche Installationszahlen von 2.500 bis 3.500 Anlagen pro Jahr für Deutschland realistisch. Diese Betrachtung umfasst Windkraftanlagen bis 50 kW Leistung.

Die Genehmigungspraxis ist ein wichtiger Faktor für die Verbreitung von Kleinwindanlagen. Das gilt vor allem für größere Anlagen ab 5 kW Leistung. Die entscheidende Instanzen sind dabei das Bauamt und die beteiligten Fachbehörden vor Ort. In manchen Gemeinden werden keine Bedenken gesehen, die Genehmigung geht schnell vonstatten. Es gibt aber auch Fälle, die auf eine klare Blockadehaltung schließen lassen. Ursache sind oft Unwissenheit und Angst der Behördenmitarbeiter. Es werden so lange neue Anforderungen gestellt, bis der Bauherr aufgibt.

Der Markt für Kleinwindkraftanlagen wird sich kontinuierlich entwickeln. Zum einen, weil aufgrund des steigenden Strompreises der eigene Kleinwindstrom immer wirtschaftlicher wird. Zum anderen, weil sich die Technik weiter verbessert und auch an Standorten mit mäßigen Windbedingungen akzeptable Stromerträge erreicht werden können. Schließlich wird auch die Akzeptanz in den Bau- und Fachbehörden weiter steigen. Für viele Gemeinden gilt: Ist erst mal die erste kleine Windturbine installiert, werden durch praktische Anschauung die meisten Bedenken ausgeräumt.