Preise für Kleinwindkraftanlagen richtig deuten und Fehlinvestitionen vermeiden

Preise für Kleinwindkraftanlagen richtig beurteilen

Der Preis für eine Kleinwindkraftanlage ist neben der Leistung für viele Käufer das maßgebliche Kriterium. Doch so einfach ist die Auswahl leider nicht. Oft sind die vermeintlichen Schnäppchen die langfristig teuersten Anlagen. Erfahren Sie hier, wie man Preise für kleine Windkraftanlagen beurteilen sollte.

Vorsicht beim Preisvergleich kleiner Windkraftanlagen!

Wenn die Auswahl der richtigen Kleinwindanlage doch so einfach wäre: In einem Katalog oder einer Branchendatenbank mehrere Turbinen einer bestimmten Leistungsklasse auswählen, Preise notieren und eines der günstigen Angebote auswählen. Bei PV-Anlagen ist dieses Vorgehen durchaus praktikabel: Man vergleicht die Preise pro Kilowatt (kW) installierter Leistung und geht von einem jährlichen Stromertrag von rund 1.000 kWh pro Kilowatt aus. Bei Kleinwindanlagen sind die Zusammenhänge zwischen Winddaten, Leistung und Ertrag viel komplexer, als dass eine einfache Rechnung aufgemacht werden könnte.

Ein grundlegender Fehler ist die Betrachtung des Kaufpreises als maßgeblichen Wert. Entscheidend sind die Stromgestehungskosten d.h. die Kosten des durch die Kleinwindkraftanlage erzeugten Stroms. Vereinfacht werden die Stromgestehungskosten ausgerechnet, in dem die Stromproduktion während der Lebenszeit der Anlage den Gesamtkosten gegenüber gestellt wird.

Preisangaben im Internet beziehen sich oft nur auf den Windgenerator und lassen andere Kostenpositionen außer Acht. Je größer die Anlage, desto höher sind tendenziell weitere Kosten wie z.B. für den Mast, das Fundament oder die Baugenehmigung. Jeder Aufstellungsort hat seine Eigenheiten und somit auch ein eigenes Kostengefüge.

Alle hier dargestellten Angaben beziehen sich auf Kleinwindenergieanlagen mit horizontaler Rotorachse. Diese sind am verbreitesten. Die Preise von vertikalen Windkraftanlagen unterscheiden sich nicht wesentlich in Bezug auf die Investitionskosten pro Leistung. Die i.d.R. geringeren Stromerträge vertikaler Windräder erhöhen allerdings die Stromgestehungskosten.

Aktuelle Preise von Kleinwindanlagen bis 6 kW

Stand: November 2014. Die Preise haben sich seitdem nicht signifikant geändert. 

Anhand aktueller Angaben diverser Anbieter werden die Preise von Kleinwind-Systemen in verschiedenen Leistungsklassen dargelegt. Es handelt sich um Windgeneratoren, die sich schon länger am Markt erfolgreich behauptet und ihre Qualität unter Beweis gestellt haben.

Leistung: 200 bis 350 Watt

Nennleistung:

200 Watt

200 Watt

300 Watt

350 Watt

Anwendung:

Batterieladung

Netzeinspeisung

Netzeinspeisung

Batterieladung

Typ:

Horizontal, drei Flügel

Horizontal, drei Flügel

Horizontal, drei Flügel

Horizontal, drei Flügel

Besonderheiten:

Schwachwind-Anlage

Mariner Einsatz.
Blade Pitch

Umfang:

Laderegler, Stoppschalter, Mastset ohne Rohre.

Wechselrichter, Stoppschalter, Mastset ohne Rohre. Anschluss.

Wechselrichter, Bremseinheit, Messgerät.

Laderegler, Stoppschalter, Mastset ohne Rohre.

Preis
(ohne MwSt.)

850 €

1.720 €

1.320 €

2.000 €

Erläuterungen:
Typ "Horizontal" = Horizontale Windanlage.
Typ "Vertikal" = Vertikale Windanlage.

Leistung: 0,9 bis 6 kW

Nennleistung

900 Watt

1 kW

2,5 kW

6 kW

Anwendung:

Netzeinspeisung

Batterieladung

Netzeinsp.

Netzeinsp.

Typ:

Horizontal,
drei Flügel

Horizontal,
drei Flügel

Horizontal,
drei Flügel

Horizontal,
vier Flügel

Umfang:

Wechselrichter, Stoppschalter, Mastset ohne Rohre, Anschluss-Kosten.

Laderegler, Abspannvorrichtung für 15 m Mast. Ohne Mast.

Komplett-Angebot inkl.
18 m Mast, Fundament, Inbetriebnahme.

Komplett-Angebot inkl.
19 m Mast, Inbetriebnahme.

Preis
(ohne MwSt.)

3.350 €

3.000 €

16.000 €

24.000 €

Die Zahlen geben einen recht guten Eindruck, was zurzeit für eine Kleinwindanlage ausgegeben werden muss. Die Spannbreite ist groß: Das einfach konstruierte, in Fernost hergestellte Windrad wird sich in Qualität, Lebensdauer und Preis erheblich von einem High-Tech-Windgenerator Made in Germany unterscheiden. Erprobte Kleinwindturbinen werden im aktuellen Kleinwind-Marktreport vorgestellt.

Beispielhafte Preise für eine 10 kW Kleinwindkraftanlage

Auch der folgende Vergleich zweier Windgeneratoren mit einer Nennleistung von 10 kW wird beispielhaft anhand realistischer Daten aufgeführt. Neben den Anlagenkosten werden die Stromerträge und daraus abgeleitet die Stromgestehungskosten aufgeführt.
Wichtig: Das Beispiel umfasst keine Finanzierungskosten und keine steuerlichen Aspekte!
Kleinwindanlagen können in der Regel über einen Zeitraum von 20 Jahren steuerlich abgeschrieben werden, was die Kosten entsprechend verringern wird.

Turbine A

Turbine B

Nennleistung

10 kW

10 kW

Gesamtkosten

70.000 €

55.000 €

Masthöhe

30 m

30 m

Stromertrag:

  bei 4 m/s pro Jahr

9.100 kWh

7.100 kWh

  bei 5 m/s pro Jahr

17.600 kWh

13.900 kWh

  bei 4 m/s in 20 Jahren

182.000 kWh

142.000 kWh

  bei 5 m/s in 20 Jahren

352.000 kWh

278.000 kWh

Stromgestehungskosten (in € pro kWh):

  bei 4 m/s

0,38 €

0,39 €

  bei 5 m/s

0,20 €

0,20 €

Erläuterungen: 
Die Angaben "4 m/s" und "5 m/s" beziehen sich auf die mittlere Jahres-Windgeschwindigkeit in Meter pro Sekunde am Standort der Windenergieanlage. Daumenregel: 4 m/s können an einem guten Binnenland-Standort und 5 m/s an einem guten küstennahen Standort erreicht werden. 

Die Stromgestehungskosten (Euro/kWh) werden in einem einfachen Verfahren berechnet, indem die Gesamtkosten durch den in 20 Jahren zu erwartenden Stromertrag geteilt werden.

Die mittlere Jahreswindgeschwindigkeit in Meter pro Sekunde (m/s) ist der wesentliche Parameter, der die Wirtschaftlichkeit eines Standorts determiniert. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Der durch eine Windkraftanlage erzeugte Strom steigt überproportional mit steigender Windgeschwindigkeit. Bezogen auf das obige Beispiel: Die jährlichen Stromerträge bei einer mittleren Jahreswindgeschwindigkeit bei 5 m/s liegen fast doppelt so hoch wie bei 4 m/s. Exakte Winddaten wird man durch eine mehrmonatige Windmessung vor Ort in Erfahrung bringen.

Turbine A hat zwar höhere Gesamtkosten und höhere spezifische Investitionskosten, hat aber die gleichen Stromgestehungskosten wie Turbine B. Das liegt an den signifikant höheren Stromerträgen. Wenn als maßgeblicher Parameter für die Wirtschaftlichkeit die Kosten des selbst produzierten Windstroms angesetzt werden, sind beide Kleinwindkraftanlagen somit gleichwertig.

Welcher Windgenerator ist nun der Bessere?

Im Rahmen der Investitionsentscheidung könnte man sich folgende Schlussfolgerungen überlegen: Die geringere Investitionssumme spricht für Turbine B. Aber die Finanzierung eines höheren Betrags wird durch die günstigen Kredite der KfW relativiert. 15.000 Euro mehr oder weniger fallen dann nicht so stark ins Gewicht.

Die Wahl könnte auf die Turbine A fallen, wenn der Anbieter eine starke Stellung auf dem deutschen Markt und ein gutes Servicekonzept anzubieten hat. Auch die Hilfestellung eines Anbieters im Rahmen der Genehmigung mit vorhandenen Prüfdokumenten und Gutachten kann sehr hilfreich sein.

Fazit: Alleine auf die Gesamtkosten oder nur auf den Basis-Kaufpreis eines kleinen Windgenerators zu schauen, ist zu kurz gedacht.

Wichtige Kostenpositionen für Kleinwindanlagen ab 5 kW

Neben dem Windgenerator inkl. Leistungselektronik ist der Mast ein maßgeblicher Kostenfaktor. Bei Kleinwindkraftanlagen mit einer Leistung von 5 bis 10 kW können die Kosten für den Mast bis 50 % des Generatorpreises ausmachen. Je höher der Mast, desto teurer, aber desto höher auch die Stromerträge der Windturbine.

Neben dem Mast muss in der Regel ein Fundament gegossen werden. Ein Fundament für 5 bis 10 kW Anlagen wird sich zwischen 2.000 und 4.000 Euro bewegen.

Schließlich müssen Personalkosten für Montage und Inbetriebnahme kalkuliert werden, die mit rund 1.500 Euro beziffert werden müssen.

Schwer kalkulierbar sind die Genehmigungskosten einer Kleinwindenergieanlage. Das betrifft vor allem die Erstellung von extra Gutachten, die vom örtlichen Bauamt eingefordert werden könnten.

Wartungskosten können mit rund ein bis zwei Prozent des Anlagenpreises kalkuliert werden.

Qualität hat ihren Preis

Spezifische Investitionskosten von rund 4.000 bis 8.000 Euro pro Kilowatt lassen sich u.a. damit erklären, dass bei Kleinwindanlagen eine Massenfertigung wie bei PV-Anlagen noch nicht stattgefunden hat.

Im Gegensatz zu PV-Anlagen haben Windgeneratoren bewegliche Teile und unterliegen einer starken mechanischen Belastung. Die Anlage soll möglichst zwanzig Jahre lang zuverlässig und mit geringem Wartungsaufwand laufen. Das gelingt nur, wenn ein entsprechender Aufwand in die Entwicklung der Anlage, als auch die Verwendung hochwertiger Komponenten einfließen. Tests durch unabhängige Prüfinstitute und Zertifizierungsprozesse sind ebenfalls kostspielig.

Sicherlich findet man im Internet Anlagen mit sehr niedrigen spezifischen Investitionskosten. Die Frage ist, wie lange so ein Windgenerator hält. Ein Komplettausfall der Anlage nach wenigen Jahren wird sich in exorbitanten Stromgestehungskosten manifestieren. Kleinwindanlagen benötigen in Deutschland keine Zertifizierung. Es gibt sehr gute Anlagen ohne Zertifizierung, die alle wichtigen technischen Anforderungen erfüllen. Leider gibt es auch einige Modelle auf dem Markt, die die technischen Prüfungen im Rahmen einer Zertifizierung nicht erfüllen würden. Solche Kleinwind-Modelle werden in der Regel einen günstigeren Kaufpreis haben. Qualitativ hochwertige und sturmsichere Kleinwindgeneratoren werden im aktuellen Kleinwind-Marktreport beschrieben.

Ferner wird man eine hohe Qualität bei Service und Wartung nicht umsonst bekommen. Die Aufrechterhaltung einer Service-Infrastruktur ist für die Hersteller bzw. Fachbetriebe mit Kosten verbunden. Technisches Personal und Ersatzteile müssen schnell und zuverlässig zur Verfügung stehen.