Insolvenz Kleinwindanlagen-Hersteller deprimiert Verbraucher

Tausende Euro in den Sand gesetzt – Was Hausbesitzer aus der Insolvenz von Alphacon lernen können

Kleinwindenergieanlage auf HausdachDie Insolvenz des Kleinwindanlagen-Anbieters Alphacon ist bittere Wahrheit für diejenigen Käufer, die nun vergebens auf die Rückerstattung des Kaufbetrags warten. Kein Einzelfall im Kleinwind-Markt. Regelmäßig werden technisch fragwürdige Kleinwindradmodelle als innovative Hauswindkraftanlagen angepriesen. Es gibt typische Muster und Verkaufsargumente, die Verbraucher kennen sollten, um sich vor Fehlinvestitionen zu schützen.

Mantelturbinen eines der fragwürdigen Kleinwindanlagen-Konzepte

Haus-Windkraftanlage fürs Dach

Mantelturbinen konnten Erwartungen bislang nicht erfüllen

Alphacon ist Anbieter einer sogenannten Mantelturbine, eines von vielen technischen Kleinwindkraft-Konzepten. Das besondere Kennzeichen der Miniwindanlagen mit horizontaler Rotorachse ist ein den Rotor umfassender Mantel bzw. Ring. Die Alphacon-Anlagen wurden in einer Doppelausführung mit zwei Rotoren nebeneinander installiert. Weltweit gab es diverse Anstrengungen Mantelturbinen in den Markt einzuführen, alle Versuche sind bislang gescheitert. Ein klares Anzeichen dafür, dass dieser Konstruktionstyp technisch fragwürdig ist. Doch die Hersteller von Mantelturbinen nennen als Verkaufsargument unter anderem folgende Vorteile: Durch den Mantel werden angeblich Vögel geschützt und die Anlage wird leiser. Ferner werden häufig positive aerodynamische Effekte suggeriert, da der Wind angeblich kanalisiert bzw. konzentriert wird mit der Folge höherer Stromerträge.

 

Einfamilienhaus-Besitzer in Sachsen fühlen sich geprellt

Wie die sächsische Regionalzeitung Freie Presse am 03.03.2015 in diesem Artikel berichtet hat, wurde die Insolvenz von Alphacon im Dezember eingereicht. Das Unternehmen hinterlässt diverse Käufer, die aufgrund mangelhafter Performanz der Kleinwindräder ihr Geld zurück verlangt haben.

Auf einem Flyer zum Alphacon-Kleinwindrad findet man typische Marketinghülsen, die fachlich nicht haltbar sind. Beispielsweise wird angegeben, dass die „Energiekosten sofort deutlich verringert“ werden. Das würde dann zutreffen, wenn die Kosten des eigenen Windstroms geringer als der Strompreis des Verbrauchers sind. Hier werden private Hausbesitzer auf eine falsche Fährte gelockt. Eine Verringerung der Energiekosten oder Rendite mittels einer Kleinwindenergieanlage kann für Gewerbebetriebe mit hohem Stromverbrauch und einer entsprechend hohen Anlagenleistung ab ca. 5 kW möglich sein, sofern es sich um eine windstarke Lage handelt. Unter günstigen Standortbedingungen kann ein Einfamilienhaus durchaus sinnvoll eine Kleinwindkraftanlage zur Stromversorgung integrieren, aber die Energiekosten können definitiv nicht deutlich verringert werden.

Im Prospekt wird zudem eine „wesentlich höhere Energieausbeute als vergleichbare Windkraftanlagen bedingt durch die Düsenform“ angeführt. Konkrete Angaben in Form einer Leistungskurve und Daten vergleichbarer Windkraftanlagen fehlen. Die wirklich wichtigen Informationen werden im Flyer nicht genannt: Wie viel Strom produziert die Anlage bei für Wohngebietsstandorten realistischen Windbedingungen? Schließlich wurde die Anlage an Besitzer von Einfamilienhäusern verkauft.

Ein klares Bild zeichnet auch die kritische Diskussion zur Alphacon-Anlage im Kleinwindanlagen-Forum. Ein Betreiber berichtet von einer jährlichen Stromproduktion von 10 Kilowattstunden.

Es gibt empfehlenswerte Hersteller kleiner Windkraftanlagen, die unter solchen Insolvenzfällen und entsprechend schlechter Presse leiden. Denn schnell wird pauschalisiert, dass alle Kleinwindanlagen technisch nicht ausgereift sind.

Warnzeichen erkennen

Bei bestimmten Vertriebspraktiken sollte man als Verbraucher ein gesundes Misstrauen an den Tag legen. Skepsis ist bei Superlativen, Marketinghülsen und pauschalen Versprechungen angebracht. Dazu gehören Weltneuheiten und einzigartige Innovationen, die allen anderen Windkraft-Typen überlegen sind. Auch pauschale Renditeversprechen und ungewöhnlich niedrige Amortisationszeiten gehören dazu.

Bei allen Kleinwind-Projekten ist der wichtigste Erfolgsfaktor eine windstarke Lage. Das gilt vor allem für private Windanlagen in Wohngebieten, da die Anlagen eher auf einen niedrigen Mast gestellt werden und sich oft weitere Häuser und Gebäude als Windbarrieren in der Nähe befinden. Ein seriöser Anbieter wird als erstes die Standortgüte eines Grundstücks begutachten. Das muss keine Besichtigung vor Ort sein, einen groben Eindruck bekommt man über Google Maps und durch Fotos vom Grundstück.

Werden schönes Aussehen der Windturbine als auch besonders leiser Betrieb als vorherrschende Verkaufsargumente genannt? Die eigentlich wichtigen Parameter wie Jahresstromerträge und Leistungskurve nicht oder nur verklausuliert dargestellt? Mancher Verbraucher vergisst, dass es sich um ein kleines Kraftwerk handelt, das möglichst günstig Strom produzieren soll. Schall ist bei den meisten Minianlagen kein Problem. Aussehen ist Geschmackssache, aber ob der Rotor sich nun links oder rechts bzw. horizontal oder vertikal dreht, sollte zweitrangig sein.

Vorsicht ist auch bei angeblich unproblematischen Dachinstallationen geboten, vor allem bei Einfamlienhäusern. Kleinwindkraftanlagen werden am besten auf einem bodenständigen Mast installiert.

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