Diese typischen Fehler bei Kleinwindanlagen muss man vermeiden

Fehler Kleinwindanlagen vermeiden_klein

Im Dialog mit Interessenten und Betreibern von Kleinwindkraftanlagen stellt man häufig vorkommende Fehler fest. Diese Fehler sollte man unbedingt vermeiden, da sonst die Investition in eine kleine Windkraftanlage bereut werden könnte.
Sie werden gewappnet sein…

Nachbarn und Bauamt nicht richtig informieren

Kleinwindanlagen kommen bei den meisten Leuten gut an. Zwei Personengruppen legen dagegen öfters eine kritische Haltung an den Tag, da sie direkt von der Anlage betroffen sind: Nachbarn und Mitarbeiter von Bau- und Fachbehörden. Nachbarn, weil Sie vom Windrad ausgehende Beeinträchtigungen wie z.B. Geräusche befürchten. Bauamtsmitarbeiter, weil Sie die Installation der Anlage auf Basis der Rechtslage rechtfertigen müssen.

Hilfreich ist es, wenn man umfangreich und frühzeitig Informationen zur Kleinwindkraftanlage bereitstellt. Die meisten Personen in der Nachbarschaft und in den Ämtern hatten wahrscheinlich noch keine Berührungspunkte mit einer Kleinwindanlage. Oft herrschen falsche Vorstellungen und unbegründete Ängste. Diese falschen Annahmen sollte man proaktiv ausräumen, in dem man frühzeitig grundlegende Infos zur geplanten Windturbine bereitstellt. Dazu gehören Fotos, technische Zeichnungen und Schallgutachten. Vor allem muss man die kleinen Dimensionen einer Windanlage für den Hausgebrauch klar machen.

Windverhältnisse überschätzen

Oft ist der Wunsch Vater des Gedankens, wenn man pauschal von starkem Wind auf seinem Grundstück ausgeht. Für ein kleines Windrad sind nur solche Standorte geeignet, die in Hauptwindrichtung frei liegen. Den Wind blockierende Bäume oder Gebäude führen dazu, dass die Energieträge der Kleinwindenergieanlage erheblich reduziert werden.

Mit einer Windmessung schafft man Klarheit. Ein Windmessgerät kostet oft nur ein Bruchteil einer Kleinwindanlage. Wer erst nach dem Kauf einer Kleinwindanlage eine windschwache Lage in Erfahrung bringt, wird sich ärgern.

Zu niedriger Mast

Kleinwindkraftanlagen werden in der Nähe des mit Energie zu versorgenden Gebäudes aufgestellt. In diesem Radius sucht man sich die windstärkste Stelle aus. Sollten die Windbedingungen immer noch zu schwach sein, bleibt nur ein höherer Mast. Ein höherer Mast verursacht zwar zusätzliche Kosten, kann sich aber aufgrund der durch stärkeren Wind höheren Stromproduktion rentieren.

Mast Kleinwindanlage

In einigen Bundesländern benötigt man für Kleinwindanlage bis 10 m Höhe keine Baugenehmigung. Diese Genehmigungsfreiheit nutzt nichts, wenn in 10 m Höhe nicht genug Wind vorhanden ist. Dann sollte man besser überlegen, ob ein höherer Mast von z.B. 20 m in Kombination mit einer Baugenehmigung nicht die bessere Lösung ist.

Schönes Design als primäres Motiv für Wahl der Kleinwindanlage

Einige auf dem Markt angebotene Kleinwindkraftanlagen fallen besonders auf, da sie sich visuell stark von herkömmlichen Windkraftanlagen unterscheiden. Das außergewöhnliche und oft futuristische Design kann verlockend wirken.

Doch man darf nicht vergessen, dass man ein Kraftwerk kauft. Die Jahresstromproduktion des Windgenerators muss in einer vernünftigen Relation zum Preis der Anlage stehen. Die herkömmlichen Windkraftanlagen mit horizontaler Rotorachse sind in dieser Hinsicht nach wie vor das technische und wirtschaftliche Nonplusultra. 

Das Modell im Foto rechts oben ist eine Mantelturbine. Dieses Anlagendesign mit Windtrichter konnte sich bislang nicht im Markt durchsetzen. Häufiges Argument der Anbieter: der Trichter beschleunigt den Wind und führt zu höheren Stromerträgen. Es war eher das Gegenteil der Fall, die Performanz dieser Anlagentechnik konnte nicht überzeugen. 

Hersteller nicht genau prüfen

Wer viele Jahre Spaß mit einer Kleinwindenergieanlage haben will, der muss sich im Vorfeld genau mit der Auswahl einer Kleinwindkraftanlage befassen. Unter den Windkraftanlagen-Herstellern im kleinen Leistungsbereich gibt es noch zu viele Firmen, deren Anlagen nicht empfehlenswert sind.

Bei hohen Windstärken ist die Belastung eines Windgenerators sehr hoch. Pro Fläche viel höher als bei Solaranlagen. Ein dauerhafter Betrieb über 10 Jahre wird nur auf Grundlage hochwertiger Technik möglich sein. Eine Beschreibung von empfehlenswerten Anlagen findet man im Kleinwind-Marktreport.

Montage auf Dach bevorzugen

Analog zur Solaranlage wünschen sich viele Kleinwind-Interessenten eine kleine Windturbine auf dem Dach. Das Problem: Gebäudekörper sorgen für eine Verwirbelung des Windes. Diese Windturbulenzen können vom Rotor nicht effizient in Energie umgewandelt werden. Entscheidend sind Höhe und Form des Daches sowie die Lage zur Hauptwindrichtung.

Skepsis muss man gegenüber Anbietern zeigen, die ihre Mikrowindanlagen primär für Dächer privater Wohnhäuser anbieten. Man kann sich kaum einen schlechteren Standort vorstellen: Mitten im windschwachen Wohngebiet in geringer Distanz zum Dach. Wie soll dort stetiger und kräftiger Wind hingelangen?

Eine Windanlage auf einem Dach kann Körperschallübertragungen verursachen. Das ist kaum akzeptabel für bewohnte Gebäude. Standard ist die ebenerdige Montage auf einem Mast in der Nähe des Hauses.

Preis pro Kilowatt Leistung als Auswahlkriterium

Bei Photovoltaik-Anlagen ist die Auswahl auf Basis der Anlagenleistung sinnvoll: Pro Kilowatt Leistung kann je nach Breitengrad bzw. Sonnenscheindauer ein entsprechender Jahresertrag erwartet werden. Bei Kleinwindanlagen können Anlagen mit gleicher Leistung sehr unterschiedliche Jahresstromerträge erwirtschaften. Entscheidend ist nicht die Leistung, sondern die Rotorfläche eines Windgenerators.

Ein besseres Vorgehen für die Anlagenwahl:
1. Mittlere Jahres-Windgeschwindigkeit des Aufstellungsorts ermitteln
2. Gewünschte Jahresstromproduktion der Windanlage bestimmen
3. Hersteller ermitteln, die beim gegebenen Wind den gewünschten Jahresstromertrag erzeugen

Autor: Patrick Jüttemann.
Der Artikel wurde im November 2017 aktualisiert.