Verbraucher aufgepasst! Unseriöse Kleinwindanlagen-Hersteller erkennen

Unseriöse Kleinwindanlagen-Hersteller

Nicht alle Anbieter von Kleinwindanlagen gehen ehrlich mit den Kunden um. Gerne werden unrealistische Ertragszahlen der Windräder versprochen. Anhand von Praxisbeispielen werden solche Angaben entlarvt. Man sollte sich nicht von bunten Herstellerprospekten blenden lassen.

Ein Großteil der Firmen und Anbieter von Kleinwindkraftanlagen in Deutschland gehen ehrlich mit Verbrauchern um. Allerdings gibt es schwarze Schafe und Glücksritter, die mit falschen Versprechungen Kunden locken.

Deutschland ohne eigene Zertifizierung für Kleinwindkraftanlagen

Man muss davon ausgehen, dass die meisten in Deutschland angebotenen Kleinwindkraftanlagen keine Zertifizierung haben. Das gilt auch für erprobte und zuverlässige Windgeneratoren. Für den Verbraucher führt dies zu einem wenig transparenten Markt, es gibt kein Qualitätssiegel, an dem er sich orientieren könnte. Eine volle Zertifizierung nach dem internationalen Standard IEC 61400 kann über 200.000 Euro pro Anlage kosten und ist für viele Kleinwindanlagen-Firmen wirtschaftlich nicht tragbar. Auf Verbandsebene gibt es in Deutschland Bestrebungen ähnlich wie das System in Großbritannien, einen für Kleinwindanlagen angepassten Zertifizierungsstandard bzw. Qualitätslabel zu entwerfen.

Im führenden Kleinwindkraft-Markt Großbritannien gibt es einen eigenen Zertifizierungsstandard für Kleinwindanlagen, der eine Voraussetzung für den Erhalt des staatlich geförderten Einspeisetarifs ist. Durch diese Regulierung besteht für die Anbieter der Anreiz, die Windgeneratoren zu zertifizieren. Die Zertifizierung wird von unabhängigen Prüfinstituten durchgeführt und umfasst in der Regel einen Belastungstest sowie die Vermessung des Schalls und der Leistungskurve. Nur gute Anlagen bekommen das Qualitätssiegel. Die Zertifizierung einer Anlage ist günstiger als eine volle Zertifizierung nach dem IEC-Standard.

Hersteller-Angaben kritisch prüfen

Schriftliche und mündliche Angaben der Anbieter sollten deshalb kritisch geprüft werden. An anderer Stelle auf diesem Portal wurde darauf hingewiesen, auf was man achten sollte, wenn man Kleinwindkraftanlagen kaufen möchte.

Besonders genau sollte man sich die jährlichen Ertragszahlen in Relation zur mittleren Windgeschwindigkeit anschauen. Rechenbeispiele machen nur dann Sinn, wenn diese auf realistische Windverhältnisse in Deutschland eingehen. Ein geeigneter d.h. windstarker Standort im Binnenland wird eine mittlere Jahreswindgeschwindigkeit ab 4 m/s haben. Anhand zweier konkreter Beispiele aus der Praxis wird gezeigt, wie Anbieter mit ihren Angaben nicht ehrlich mit den Kunden umgehen.

Praxisbeispiel 1: Kleinwindkraftanlage direkt über dem Dach

Angaben des Anbieters im Verkaufsprospekt:
Es handelt sich um eine tonnenförmige Kleinwindanlage mit dem Aussehen eines Schaufelrads. Auf dem Prospekt wird ein Foto gezeigt, bei dem die Anlage horizontal unmittelbar über dem Dachfirst installiert ist. Es wird ein Ziegeleffekt erwähnt, durch den der Wind verstärkt werden soll. Bei einer mittleren Windgeschwindigkeit von 7 m/s erreicht man angeblich 2.500 kWh pro Jahr. Das Windkraftwerk soll für Einfamilienhäuser geeignet sein und kostet über 9.000 Euro.

Deshalb werden Verbraucher getäuscht:

  1. Die Installation nur wenige Zentimeter über dem Dachfirst ist ungünstig. Der Rotor sollte so weit vom Dach entfernt sein wie möglich, da durch den Gebäudekörper der Wind verwirbelt wird. Turbulenter Wind enthält wenig Energie.
  2. Der erwähnte „Ziegeleffekt“ – was immer das sein soll – suggeriert dem Leser, dass die Nähe zu den Dachziegeln einen positiven Effekt für den Ertrag der Kleinwindkraftanlage hat. Doch das Gegenteil ist i.d.R. der Fall.
  3. Einen Jahresertrag von 2.500 kWh zu erwähnen ist nicht seriös. Eine übers Jahr gesehen mittlere Windgeschwindigkeit von 7 m/s erreicht man vielleicht auf Helgoland, aber definitiv nicht direkt über einem Hausdach im Binnenland.

Praxisbeispiel 2: Vertikales Windrad mit 3,2 kW Leistung

Angaben des Anbieters im Verkaufsprospekt:
Ein Anbieter einer vertikalen Kleinwindkraftanlage aus chinesischer Produktion nennt folgende Berechnungsbeispiele für Rotorhöhen von 8 bis 10 Meter…

Windstärke Windtage Leistung Stromertrag pro Jahr Stromernte (Euro)
6 m/s 270 750 Watt 4.800 kWh 1.200 Euro
10 m/s 270 3.300 Watt 21.300 kWh 5.340 Euro

 

Als Alternative zu einer Windmessung vor Ort werden Windkarten des Deutschen Wetterdienstes und daraus erstellte Modellrechnungen erwähnt.

Deshalb werden Verbraucher getäuscht:

  1. In Deutschland wird man in einer Höhe von 10 Metern in den allermeisten Fällen keine mittlere Jahres-Windgeschwindigkeit von 6 Meter pro Sekunde erreichen. Das gilt auch dann nicht, wenn man die 270 windstärksten Tage im Jahr berücksichtigt. Die Angabe einer jährlichen Stromproduktion von 4.800 kWh ist deshalb nicht haltbar.
  2. Eine maximale jährliche Stromproduktion von über 21.000 kWh und damit einen Kostenvorteil von über 5.000 Euro anzugeben ist vollkommen realitätsfremd.
  3. Windkarten oder Modellrechnungen mit einer Software können nur einen groben Anhaltspunkt für die Windsituation eines Standorts liefern. Nur eine Windmessung vor Ort liefert verlässliche Daten.

Schwierige Marktlage für ehrliche Anbieter von Qualitätsprodukten

Seriöse Anbieter und Windkraftanlagen-Hersteller gehen ehrlich mit den Kunden um und versprechen keine Stromerträge, die in der Realität nicht erreicht werden können. Ferner bieten sie Windgeneratoren an, die für einen langfristigen Betrieb ausgelegt sind und die notwendige Sicherheitstechnik mitbringen. Betreiber von Kleinwindkraftanlagen beabsichtigen in der Regel eine Betriebszeit von mindestens fünfzehn bis zwanzig Jahren. Ein reibungsloser Betrieb über einen langen Zeitraum kann nur durch qualitativ hochwertige Windanlagen gewährleistet werden. Qualität hat ihren Preis.

Für viele Verbraucher ist das günstige Kleinwindrad aus Fernost mit den angeblich hohen Ertragszahlen ein attraktives Angebot. Doch die Rechnung wird nicht aufgehen, wenn die Windanlage nach wenigen Jahren defekt ist und die Stromerträge viel niedriger sind als erwartet.