Rechnet sich eine Kleinwindkraftanlage? | Mit Praxisbeispiel

Rechnet sich eine Kleinwindkraftanlage?

Wer die Anschaffung einer qualitativ hochwertigen Kleinwindanlage plant, wird mitunter mehrere tausend Euro in die Hand nehmen. Zwangsläufig wird man sich die Frage stellen, ob sich die Windkraftanlage lohnt. Erfahren Sie hier die wichtigsten Grundlagen für die Beurteilung einer entsprechenden Investition.

Wie wird die Wirtschaftlichkeit einer Kleinwindanlage beurteilt?

Eine Kleinwindkraftanlage ist ein Kraftwerk, welches in den meisten Fällen für die Produktion von Strom eingesetzt wird. Weitere mögliche „Produkte“ des Windrads sind die Erzeugung von Wärme über einen Heizstab oder das Pumpen von Wasser mit einer rein mechanischen Kraftübertragung. Entscheidend ist es, den richtigen Parameter im Blick zu haben. Im Vordergrund steht folgende Frage:
Was kostet die Kilowattstunde Strom, die ich mit meiner Windkraftanlage erzeuge?

Die sogenannten Stromgestehungskosten werden ermittelt, in dem über die gesamte Betriebszeit die Kosten des Windrads den Stromerträgen gegenübergestellt werden. An einem schlechten Standort werden die Gestehungskosten 1 Euro pro Kilowattstunde (kWh), an einem guten Standort 0,20 Euro pro kWh oder weniger betragen. Detaillierter Artikel dazu:
Preise für Kleinwindkraftanlagen richtig deuten und Fehlinvestitionen vermeiden.

Für ins öffentliche Stromnetz eingespeisten Strom einer Windkraftanlage bekommt man in Deutschland zurzeit 8,5 Cent pro kWh. Ein wirtschaftlicher Betrieb einer Kleinwindkraftanlage durch Einspeiseerlöse ist nicht möglich. Wenn dagegen der Windstrom selbst verbraucht wird, spart man den individuellen Strompreis ein. Damit stellt sich die Frage der Bewertung des Eigenverbrauchs. Ein privater Haushalt kann mit einem Strompreis von rund 28 Cent pro kWh inklusive Mehrwertsteuer rechnen. Ein Landwirt oder Gewerbebetrieb könnte mit rund 22 Cent pro kWh ohne Mehrwertsteuer kalkulieren. Anstatt der Einspeiseerlöse von 8,5 Cent werden eingesparte Strombezugskosten von 22 oder 28 Cent pro kWh zugrunde gelegt. Die Wirtschaftlichkeit läuft somit über einen möglichst hohen Anteil an selbst verbrauchten Windstrom. Wer heute in Kleinwindkraft investiert, wird in der Zukunft eine niedrigere Stromrechnung haben. Ein Unsicherheitsfaktor ist die zukünftige Strompreissteigerung. Der Strompreis ist in den letzten 15 Jahren stark gestiegen und wird es wohl auch in den kommenden Jahren. Eine Strompreissteigerung von 2 bis 3 % ist durchaus realistisch.

Eine Investition zahlt sich aus, wenn eine Amortisation im Laufe der Betriebszeit erfolgt und zusätzlich ein Gewinn erwirtschaftet wird, der die eigenen Erwartungen erfüllt. Die nach der Betriebszeit abgeschriebene Anlage kann weitere Erlöse generieren. Eine Einsparung von Stromkosten kann allerdings nur dann realisiert werden, wenn der Strom der Kleinwindanlage zum einen günstiger als der Strompreis des Versorgers ist und zum anderen selbst verbraucht wird.

Einfaches Beispiel: Investition eines Landwirts

Ein landwirtschaftlicher Betrieb hat durch Stallanlagen einen hohen Stromverbrauch, der auch im windstarken Herbst und Winter anliegt. Eine Kreditaufnahme findet nicht statt. Betriebskosten der Anlage sind in den Gesamtkosten erfasst.

  • Nennleistung Kleinwindanlage: 6 kW
  • Gesamtkosten Kleinwindanlage: 30.000 Euro
  • Spezifische Gesamtkosten: 5.000 Euro pro Kilowatt
  • Mittlere Jahreswindgeschwindigkeit: 4,5 m/s
  • Stromproduktion und -verwendung:
    > Produktion pro Jahr: 8.000 kWh
    > Selbstverbrauch pro Jahr: 5.500 kWh (69 %)
    > Einspeisung pro Jahr: 2.500 kWh
  • Strompreis:
    > Heutiger Preis: 22 Cent pro kWh
    > Strompreissteigerung: 2,5 % pro Jahr
    > Strompreis in 20 Jahren: 35,2 Cent pro kWh
  • Stromgestehungskosten: 18,8 Cent pro kWh
  • Amortisation: Im 18. Jahr
Excel-Rechner für Kleinwindanlagen

Ergebnisse des Excel-Rechners

Fazit:
Die Stromgestehungskosten liegen bei rund 19 Cent pro kWh und sind schon im ersten Betriebsjahr niedriger als der Strompreis des Landwirts in Höhe von 22 Cent netto. Im 20. Betriebsjahr beträgt der Strompreis sogar über 35 Cent pro kWh.

Die Berechnungen wurden mit dem Excel-Tool für Kleinwindkraftanlagen durchgeführt. Das Tool ermittelt unter anderem die Jahreserträge marktgängiger Kleinwindanlagen.

Vorsicht ist geboten bei der Einschätzung der Kosten der Windkraftanlage, ohne dabei auf die Erträge der Windanlage zu schauen. Die bei den Anschaffungskosten günstigste Windanlage kann sich langfristig als Fehlinvestition entpuppen.

Lohnt sich eine Kleinwindanlage für private Hausbesitzer?

In der Praxis zeigt sich, dass viele private Betreiber einer Kleinwindkraftanlage Wirtschaftlichkeit und Rendite in den Hintergrund stellen. Im Vordergrund stehen andere Motive, wie z.B. Unabhängigkeit in der Stromversorgung und Klimaschutz. Für diese Menschen lohnt sich die Investition. Obwohl rein finanziell betrachtet, sich viele private Windkraftanlagen erst nach 20 Jahren amortisieren werden. Eine Einsparung von Stromkosten wird nur bei hohen mittleren Jahreswindgeschwindkeiten möglich sein. Das hat mehrere Gründe: Höhere spezifische Investitionskosten der eher kleinen Windturbinen, in der Regel geringe Aufstellungshöhe und damit schlechtere Windbedingungen als auch ein geringer Eigenverbrauch des Stroms.

Die Frage, ob sich eine Kleinwindanlage lohnt, kann nicht allgemeingültig beantwortet werden. Jede Person hat eine eigene Vorstellung davon, wann sich eine Investition in ein Kleinwindrad auszahlt. Ähnlich werden die Investitionsentscheidungen bei privaten Solarwärmeanlagen sein. Die Überlegung der Hausbesitzer: Wenn ich eine geeignete Dachfläche für eine Solarthermieanlage habe und 20 Jahre lang umweltfreundlich Wärme erzeugen kann, dann lohnt sich diese Investition für mich und meine Kinder. Wer ein Grundstück in windstarker Lage hat, kann analog die Anschaffung einer Kleinwindkraftanlage in Betracht ziehen.