Private Windanlagen: Unsinnige Marketing-Floskeln entlarven

Man kann viel Unsinn über Kleinwindanlagen lesen. Als Urheber treten oft Anbieter von Mikrowindanlagen in Erscheinung, die den Verbraucher zum Kauf überreden wollen. Hier eine Sammlung typischer Floskeln, gegen die man nach dem Lesen dieses Beitrags immun werden sollte…

Ehrlichkeit währt am Längsten…

Nicht jeder Anbieter ist ehrlich zum Kunden. Es werden falsche Erwartungen geweckt, die den Verbraucher zum Kauf bewegen sollen. Spätestens nach den ersten windstarken Herbsttagen wird Ernüchterung eintreten, wenn die Mikrowindanlage weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die Werbung solcher Anbieter ist gespickt mit Halbwahrheiten bis hin zu kruden Verbrauchertäuschungen. Private Hausbesitzer müssen sich besonders in Acht nehmen.

Die vielen guten und seriösen Anbieter verfahren dagegen nach folgendem Prinzip: Ehrlichkeit währt am Längsten. Dazu gehört auch, manchen Kunden die Windanlage auszureden.

Werden sie immun gegen folgende Marketing-Floskeln…

Der Rotor läuft bei schon bei schwachem Wind an

Das ist ja schön und gut, wenn es mir nur um ein Windspiel ginge, d.h. etwas lustig Drehendes anzuschauen. Das Hauptziel liegt aber in der Stromproduktion. Eine besonders niedrige Anlaufgeschwindigkeit des Rotors ist hierfür irrelevant. Bei schwachem Wind ist zu wenig Leistung vorhanden, als dass nennenswert Strom produziert werden könnte. Entscheidend ist die Performanz der Windturbine bei mittlerer Jahreswindgeschwindigkeit.

Generell geeignet auch im Wohngebiet

Was die Verwendung von Kleinwindanlagen in Wohngebieten angeht, werden vor allem Fotos genutzt, um den Interessenten auf die falsche Fährte zu locken. Typisches Motiv ist das kleine Windrad auf dem Giebeldach eines Einfamilienhauses.

Die Wahrheit ist: Die meisten Wohngebietslagen befinden sich im Windschatten. Das gilt vor allem für Grundstücke mit Nachbarn ringsherum. Eine Lösung wäre dann ein höherer Mast. Aber vor allem in Wohngebieten wird es durch das Bauamt Beschränkungen geben.

Lagen im Wohngebiet können durchaus geeignet geeignet sein, zum Beispiel am Siedlungsrand oder in Höhenlagen.

Mikrowindrad auf dem Dach

Wie praktisch, mag der Verbraucher denken, dann kann ich neben die Solaranlage auf dem Dach eine Windanlage schrauben. Die Erfahrung hat gezeigt: Ein Windrad gehört nicht auf das Hausdach, sondern auf einen bodenständigen Mast neben dem Haus. In der Praxis werden die meisten Miniwindanlagen auf dem Dach wieder abgeschraubt. 

Günstige Energie vom Dach

Eine besonders dreiste Behauptung, mit der private Hausbesitzer geködert werden. Garniert mit passenden Fotos. Das Dach eines Einfamilienhauses im Wohngebiet ist ein denkbar schlechter Standort für ein Mikrowindrad.

Die Formel lautet: Wenig Wind = Wenig Strom = Teurer Strom.

Aber bestimmt keine günstige Energie. Günstig wäre die Energie dann, wenn sie niedriger als der Preis für Haushaltsstrom wäre d.h. unter 30 Cent pro Kilowattstunde. Für eine Mikrowindanlage auf dem Dach im Wohngebiet ein Wunschdenken.

Besonders niedriger Preis der Windanlage

Der Anbieter wirbt mit einem besonders günstigen Preis? Bei Windanlagen sollte das eher skeptisch machen, denn diese müssen eine ultimative Feuertaufe bestehen: Sturmböen. Die werden mit Sicherheit kommen und üben gewaltige Kräfte auf den Rotor aus.

Eine sturmsichere, effiziente und zuverlässige Windanlage stellt hohe Anforderungen an Regelungstechnik, aerodynamisches Design und Materialqualität. Diese Qualität hat ihren Preis.

Selbstverständlich können die Preise für Kleinwindanlagen noch viel stärker sinken, auch für hochwertige Anlagentechnik. Der Schlüssel liegt dabei in der Massenproduktion. Die PV-Branche hat es vorgemacht, mit fantastischen Preissenkungen. So weit ist die Kleinwind-Branche noch nicht.

Vertikale Windanlage als Allheilmittel

Savonius Rotor

Die kleine Windenergieanlage mit vertikaler Rotorachse wird gerne als Wundermittel angepriesen: Sie ist leise, harmlos für Vögel, kann turbulenten Wind in der Stadt nutzen etc. Das alles seien angebliche Vorteile gegenüber „herkömmlichen“ d.h. horizontalen Windanlagen.

Das Gegenteil ist der Fall: Horizontale Windanlagen sind Stand der Technik. Diese können ebenfalls leise sein. Vögel werden generell kaum beeinträchtigt. Vor allem sind horizontale Windkraftanlagen erheblich effizienter und wirtschaftlicher.

Wann ist eine Kleinwindkraftanlage geeignet?

Je nachdem was man damit bezweckt! Wenn die Miniwindanlage primär ein Hobby ist und aus Neugierde an der Technik angeschafft wird, dann kann man sie theoretisch in jeden Garten stellen. Vorher mit den Nachbarn abstimmen.

Wenn aber Wirtschaftlichkeit und nennenswerte Stromproduktion im Vordergrund stehen, dann muss man eine windstarke Lage haben. In Kombination mit einer Montage auf einem ebenerdigen Mast.

Foto oben: erikdegraaf @fotolia.com