Windkraftanlagen für Einfamilienhäuser: macht es Sinn?
Windrad Einfamilienhaus Dach

Windanlage fürs Einfamilienhaus: auf dem Dach?

Eine Windkraftanlage fürs Einfamilienhaus könnte die perfekte Ergänzung zur Photovoltaikanlage sein. Einfach oben aufs Dach schrauben und fertig?
Vorsicht, so einfach ist es nicht!

Wer eine vierstellige Summe für ein kleine Windanlage inklusive Komponenten investiert, sollte vorbereitet sein. Man sollte wissen, wo man eine Kleinwindanlage installieren muss, damit sie effizient Strom erzeugen kann.

Dieser Fachartikel umfasst viele hilfreiche Tipps vom neutralen Experten…

Aktualisierung: November 2021
Autor: Patrick Jüttemann

Vermeintliche Vorteile von Windrädern auf Dächern

Es gibt durchaus Argumente für die Nutzung der Windkraft auf Gebäuden:

Kleinwindanlage Haus
  • Das Haus steht dem Wind nicht als Barriere im Weg.
  • Kleinerer Mast möglich, da das Gebäude zur Gesamthöhe der Anlage beiträgt.
  • Der Strom wird auf kurzem Wege ins Hausnetz eingespeist.
  • Man spart Platz, da kein extra Fundament ein Teil des Bodens versiegelt.
  • Die Windanlage kann nicht die Sicht versperren.

Foto: Bergey

Doch die Nachteile der Dachmontage überwiegen bei Weitem. Die wichtigeren Argumente sprechen dafür, eine Windanlage auf einen bodenständigen Mast zu installieren. Das gilt vor allem für Einfamilienhäuser. Ein Anbieter einer Kleinwindkraftanlage behauptet das Gegenteil? Dann solltest du erst recht weiterlesen…

Gebäudekörper reduziert die Windenergie

Windanlage auf Dach eines Einfamilienhauses

Der nutzbare Wind bewegt sich parallel zur Erdoberfläche. Trifft der Wind auf eine Hauswand, kommt es zur Verwirbelungen, die sich bis aufs Dach fortsetzen. Der Rotor der Windenergieanlage fängt an zu trudeln. Die notwendige stetige Windgeschwindigkeit für eine effiziente Stromerzeugung ist nicht vorhanden. Die Windturbulenzen wirken auch in der Nähe der Dachoberfläche bzw. des Firstes. Die Lösung ist ein Mast in der Nähe der Immobilie. 

Das niedrige Giebeldach eines privaten Hauses unterliegt anderen Verhältnissen, als das Flachdach eines mehrgeschossigen Gebäudes. Bei Flachdächern muss die beste d.h. windstärkste Stelle ermittelt werden. Das hängt von Höhe und Lage des Daches in Bezug zur Hauptwindrichtung ab. Ebenso muss der Mast der Windanlage hoch genug sein, damit der Rotor in den starken Wind kommt.

Grundstück im Wohngebiet prüfen

Vor allem beim Haus mitten im flachen Wohngebiet, welches von anderen Gebäuden und Bäumen umgeben ist, macht die Installation einer Windturbine oft keinen Sinn. Der Wind ist zu schwach, als dass durch die Windkraftanlage nennenswerte Leistung bereitgestellt werden könnte. Egal wo die Anlage montiert wird, auf dem Dach oder auf einem Mast im Garten. 

In den beiden folgenden Abbildungen werden die Windverhältnisse eines Hauses in freier Lage und in einem Wohngebiet verdeutlicht:
1. Linkes Bild: Wohngebiet, dichtbesiedelter urbaner Raum.
2. Rechtes Bild: Freie, isolierte Lage auf dem Land bzw. Randlage einer Siedlung.

Windkraftanlage fürs Einfamilienhaus

Quelle: Centre for Renewable Energy Systems Technology (CREST), Loughborough University.

Je wärmer die Farbe und je länger die Pfeile, desto höher die Windgeschwindigkeit. Die durch die gelbe Farbe dargestellten guten Windbedingungen werden im ersten Bild (Wohngebiet) nicht direkt am Hausdach erreicht. Die umgebenden Häuser schwächen die Windenergie ab. Man müsste die Windturbine weit oberhalb des Daches aufbauen.

Im zweiten Bild beim Haus in freier Lage sieht es besser aus: Der Wind über dem First ist stärker als im Vergleich zum dicht besiedelten Gebiet. Das bedeutet: Neben windstarken Einzellagen können auch Randlagen zur Hauptwindrichtung geeignet sein. Ebenso Hang- und Höhenlagen.

Fazit: Grundstücke inmitten von Wohn- und Siedlungsgebieten haben oft unzureichende Windverhältnisse. Das gilt auch für Windanlagen auf Dächern. 
Mit dem Windpotenzial steht und fällt jedes Kleinwindkraft-Projekt.

Tipp: Hol dir jetzt das gratis E-Book. Bekommt man nach der Anmeldung zum Newsletter, siehe hier.

Körperschall und Dachstatik

Körperschall ist ein weiteres Problem, welches für bewohnte Gebäude relevant ist. Wird eine kleine Windturbine auf oder am Gebäude installiert, können störenden Geräusche entstehen. Die Vibrationen des Rotors werden auf den Gebäudekörper übertragen. Dieser Körperschall ist dann im Gebäude als nerviges Brummen wahrnehmbar. Manche Hersteller bieten Systeme zur Körperschallentkopplung an, die mehr oder weniger wirksam sind.

Auch die Dachstatik sollte beachtet werden. Der Wind kann sehr starke Kräfte ausüben, die Statik des Daches muss dafür ausgelegt sein. Bei einer Windkraftanlage ab 1 kW Leistung sollte man einen Statiker konsultieren.

Ein Windrad im Garten ist die bessere Alternative.

Windkraftanlagen für Einfamilienhäuser: Test & Vergleich

Vorsicht vor Internetseiten, die angebliche Tests von kleinen Windkraftanlagen fürs Einfamilienhaus präsentieren. Es werden verschiedene Windrad-Modelle mit Fotos und Daten vorgestellt und dann zu einem Online-Versandhändler wie z.B. Amazon verlinkt.

Das ist reine Geldmacherei: kauft jemand eine Kleinwindanlage nach dem Klick auf den Link, erhält der Seitenbetreiber eine Provision. Mit unabhängigen Tests und Produktvergleich hat das nichts zu tun. Es werden die Windräder präsentiert, mit denen der Betreiber der Internetseiten am meisten Geld verdienen kann.

Umfangreiche Tests von Kleinwindanlagen werden für Anlagen ab 5 kW Leistung durchgeführt. Solche Windanlagen sind für Einfamilienhäuser zu groß, produzieren zu viel Strom.

Doch wie kann man empfehlenswerte Mini-Windanlagen finden?
Dazu gibt es hier hilfreiche Informationen:

Preise und Kosten der Windkraftanlage fürs Eigenheim

Die Wirtschaftlichkeit einer Kleinwindkraftanlage bemisst sich nach den Stromgestehungskosten, d.h. den Kosten für den selbst produzierten Windstrom. Damit wird die Frage beantwortet: Wie viel kostet die Kilowattstunde Strom, die ich mit meinem Windrad selbst erzeuge? Wenn der eigene Windstrom günstiger ist als der Strompreis des Energieversorgers, kann man Stromkosten sparen. 

Allerdings nur, wenn der eigene Windstrom selbst verbraucht wird, eine Einspeisung ins öffentliche Netz lohnt sich nicht. Hier liegt das erste Problem: Der Strombedarf von Einfamilienhäusern ist vergleichsweise niedrig. Oftmals findet der Strom des Windrads im Haus keine Verwendung. Über Preise und Kosten kleiner Windenergieanlagen finden Sie hier einen umfangreichen Bericht.

Wie oben erläutert, führen die niedrigen Windgeschwindigkeiten in Wohngebieten zu einer insgesamt niedrigen Stromproduktion der Windturbine. Das gilt umso mehr für Anlagen auf Dächern, aufgrund der dortigen Windturbulenzen. 

Es gibt viele Beispiele zufriedener Eigenheimbesitzer in Deutschland, die eine Kleinwindkraftanlage betreiben. Rendite und Wirtschaftlichkeit sind für private Betreiber oft nachrangige Motive, wichtiger ist die Eigenversorgung mit umweltfreundlichem Strom. Die Auswahl hochwertiger und sturmsicherer Kleinwindanlagen ist ein weiterer Erfolgsfaktor.

Video: Windanlage fürs Einfamilienhaus

Vor der Anschaffung einer Mini-Windanlage fürs Eigenheim muss man drei wichtige Dinge prüfen. Mehr dazu im Video…

Autor: Patrick Jüttemann