Mit Windrad im Garten Strom erzeugen: Windenergie für das Zuhause

Eine Windkraftanlage zur Strom-Produktion kann durchaus in den eigenen Garten gestellt werden. Solche Windräder sind nicht zu verwechseln mit einem bunten Windspiel, welches sich schon bei wenig Wind dreht und im Garten nett anzuschauen ist. Es geht um Windkraft, welche oft in Kombination mit Solar genutzt wird, da sich die Energie von Sonne und Wind gut ergänzen. Ärgerlich wird es, wenn die eigentliche Windkraftanlage zum Windspiel verkommt, weil kaum Strom produziert wird.

Baurecht fordert Aufstellung in der Nähe des Gebäudes

Kleines Windrad im Garten

Kleinwindanlage in einem Garten in Schleswig-Holstein

Auf Grundlage des Baurechts sind Kleinwindanlagen sogenannte Nebenanlagen. Die Hauptanlage ist das Haus, welches mit Strom versorgt wird. Das Windrad als Nebenanlage muss in der Nähe des Gebäudes aufgestellt werden, sonst könnte eine Genehmigung untersagt werden. Das kann allerdings nur bei einem sehr großen Garten bzw. Grundstück passieren. Auch in technischer Hinsicht macht ein eher geringer Abstand der Windkraftanlage zum Verbraucher Sinn, da die Leitungsverluste der Stromübertragung verringert werden.

Im Gegensatz dazu dürfen Windparks bestehend aus großen Windkraftanlagen, die mittlerweile über 200 Meter hoch sein können, nur auf ausgewiesene Flächen fernab der Wohngebiete gebaut werden. Zum einen aufgrund von Schall und Schattenwurf, zum anderen aufgrund der visuellen Präsenz der Windkraftanlagen. Wer möchte schon so einen Turm neben dem Garten haben. Bei Kleinwindkraftanlagen ist das kein Problem, die Maße von Mast und Rotor sind erheblich geringer.

Zu nahe Aufstellung neben dem Haus vermeiden

Das Windrad im Garten sollte aber nicht zu dicht neben dem Gebäude stehen. Je nach Größe und Form des Rotors entwickelt das Windrad Geräusche. Die Schallwerte unterscheiden sich zwischen den einzelnen Windgeneratoren, so dass eine pauschale Aussage zur Schallausbreitung schwer möglich ist. Viele moderne Kleinwindanlagen sind aerodynamisch so optimiert, dass eine Schallausbreitung kein Problem ist. Oft überlagert das Rauschen des Windes die Anlagengeräusche.

Andererseits kann eine unmittelbare Positionierung der Kleinwindkraftanlage neben einem Haus dazu führen, dass sich die Anlage in einer Windturbulenzblase befindet. Der Gebäudekörper bewirkt einen Rückstau des Windes, der bis zum Rotor reichen kann. Das muss vermieden werden, da der Rotor nur gleichmäßige Windströmung effizient in Energie umwandeln kann.

Baurecht gibt Abstandsflächen vor

Einzuhaltende Abstände zu Gebäuden sind kein Problem

Einzuhaltende Abstände zu Gebäuden sind kein Problem

Ein gewisser Abstand von Kleinwindanlagen zu Bauwerken ist nicht nur in eigenem Interesse, sondern wird auch gesetzlich gefordert. Die Abstandsflächen werden von den Bauordnungen der einzelnen Bundesländer definiert.  Es müssen Mindestabstände  eingehalten werden. Je nach Bundesland variieren die Distanzen. In der Musterbauordnung wird eine Tiefe der Abstandsfläche von 0,4 H verlangt, mindestens aber 3 m. Die Angabe „H“ bezieht sich auf die Höhe der Kleinwindanlage. In Bayern verlangt die Landesbauordnung einen Abstand von 1 H.

Alles in allem sind die baurechtlichen Abstandsflächen kein Problem, weil man sie aus technischer Sicht sowieso einhalten sollte. Ein Beispiel: Wenn man eine 25 m hohe Windenergieanlage hat, dann wird diese mindestens 25 m vom nächsten Gebäude entfernt stehen. Die bayerische Vorgabe von 1 H würde somit eingehalten.

Im Garten die windreichste Stelle wählen

Die Positionierung des Windrads sollte so gewählt werden, dass es eine freie Anströmung aus der Hauptwindrichtung hat. Nur dann wird das Windenergie-Potenzial optimal genutzt. In Deutschland liegt die Hauptwindrichtung von West nach Ost. Beachtet werden muss auch ein ausreichender Abstand der Kleinwindkraftanlage zu Hindernissen im und außerhalb des Gartens. In Hauptwindrichtung sollte der Abstand zwischen Hindernis und Windanlage rund zwanzigmal so hoch sein, wie das Hindernis selbst. Ein zehn Meter hoher Baum müsste demnach 200 m vom Windrad entfernt stehen.

Höheres Windrad kann Wirtschaftlichkeit verbessern

Je höher der Abstand des Rotors vom Boden, desto geringer werden die Luftverwirbelungen und desto stärker wird der Wind sein. Ein längerer Mast wird allerdings höhere Installationskosten verursachen. Trotzdem kann sich die Wirtschaftlichkeit verbessern, da die Stromerträge signifikant steigen können. Sollte das Landesrecht eine Installation einer Kleinwindanlage bis 10 m Höhe ohne Genehmigung zulassen, sollte man vorab mit einem Windmessgerät prüfen, ob überhaupt ausreichend Wind vorhanden ist. Wenn der Wind in 10 m zu schwach ist, kann ein Ausweg ein höherer Mast sein, dann aber mit einer Baugenehmigung.

Vorsicht ist geboten bei Anbietern, die pauschal oder vorschnell die Eignung eines Gartens für eine private Windkraftanlage aussprechen. Nicht auf jedem Grundstück kann Windenergie effizient genutzt werden, weil der Wind zu schwach ist! Eine Auswahl empfohlener Windgeneratoren und Anbieter findet man im aktuellen Kleinwind-Marktreport.

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