Windrad im Garten für die Stromversorgung – Tipps vom Profi

Windrad im Garten: Strom fürs eigene Haus

Windrad im Garten für Stromerzeugung

Der Wunsch vieler Hausbesitzer ist die Selbstversorgung mit Strom aus Solar- und Windenergie. Das kleine Windrad im Garten könnte die perfekte Ergänzung zur Solarstromanlage (Photovoltaik) sein. Sofern das eigene Grundstück für die Aufstellung einer Mini-Windanlage geeignet ist.
(Aktualisiert im August 2020).

Garten muss eine windstarke Lagen haben

Der allerwichtigste Erfolgsfaktor für das kleine Windrad: die Installation muss an einer windstarken Stelle erfolgen. Eine windstarke Lage ist dann gegeben, wenn der Wind aus Hauptwindrichtung frei anströmen kann. Meistens ist dies aus westlicher Richtung. Grundstücke inmitten eines flachen Wohngebiets sind in der Regel nicht geeignet. Denn drumherum sind Bäume und Gebäude, die den Wind blocken und verwirbeln.

In den meisten Fällen keine gute Idee ist die Installation des Windrads auf dem Dach. Strömt Wind auf den Gebäudekörper, werden Windturbulenzen verursacht. Dem Wind wird quasi die Energie genommen. Besser ist die Aufstellung der Windanlage auf einen bodenständigen Mast.

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Lohnt sich eine private Windanlage im Garten?

In den allermeisten Fällen lohnt sich ein privates Windrad im Garten nicht. Konkret bedeutet das: die Kosten des produzierten Stroms der Windanlage sind höher als der Strompreis. Ein Privathaushalt zahlt in Deutschland rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Man kann also mit einer Kleinwindanlage im Garten keine Stromkosten sparen.

Die Motive für die Anschaffung des kleinen Windrads sollten nicht wirtschaftliche Aspekte sein, sondern eher Hobby und Spaß an der Technik. In windstarker Lage kann man eine Eigenversorgung mit sauberem Strom realisieren. Eine gute Ergänzung zur Solarstromanlage, die im windstarken Herbst und Winter weniger zur Selbstversorgung beiträgt.

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Tipps für den Kauf eines kleinen Windrads

Ein Kleinwindrad sollte eine möglichst hohe Qualität haben, damit die gewaltigen Kräfte bei einem Sturm bewältigt werden können. Mit einfach konstruierter Billigware kommt man nicht weit.

Stand der Technik sind horizontale Windräder. Die Bauform, wie man sie von großen Windanlagen kennt. Vertikale Windanlagen haben sich bislang kaum im Markt durchgesetzt.

Mini-Windanlagen für Garten und Segelboot

Das Windrad sollte immer im Paket mit Laderegler für die Batterieladung oder Wechselrichter für die Einspeisung ins Stromnetz gekauft werden. Auch ein Mast sollte mit dabei sein. Alle Komponenten müssen aufeinander abgestimmt sein.

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Benötigt man eine Baugenehmigung?

In vielen Bundesländern kann man sehr kleine Windräder mit einer Gesamthöhe unter 10 m ohne Baugenehmigung aufstellen. Doch Vorsicht: wenn in 10 m Höhe nicht genug Wind vorhanden ist, dann macht die Windanlage keinen Sinn. Mit einem höheren Mast kommt man in stärkeren Wind, dann aber in Verbindung mit einer Baugenehmigung. Die Regeln der einzelnen Bundesländer findet man in diesem Fachartikel.

Nach dem Baurecht sind Kleinwindanlagen sogenannte Nebenanlagen. Die Hauptanlage ist das Haus, welches mit Strom versorgt wird. Das Windrad als Nebenanlage muss in der Nähe des Gebäudes aufgestellt werden. Auch in technischer Hinsicht macht ein eher geringer Abstand der Windkraftanlage zum Verbraucher Sinn, da die Leitungsverluste der Stromübertragung verringert werden.

Das Windrad im Garten sollte aber nicht zu dicht neben dem Gebäude stehen. Je nach Größe und Form des Rotors entwickelt das Windrad Geräusche. Zudem kann eine unmittelbare Positionierung der Kleinwindkraftanlage neben einem Haus dazu führen, dass sich die Anlage in einer Windturbulenzblase befindet. Der Gebäudekörper bewirkt einen Rückstau des Windes, der bis zum Rotor reichen kann. Das muss vermieden werden, da der Rotor nur gleichmäßige Windströmung effizient in Energie umwandeln kann.

Landesbaurecht gibt Abstandsflächen vor

Ein gewisser Abstand von Kleinwindanlagen zu Bauwerken ist nicht nur in eigenem Interesse, sondern wird auch gesetzlich gefordert. Die Abstandsflächen werden von den Bauordnungen der einzelnen Bundesländer definiert.  Es müssen Mindestabstände eingehalten werden. Je nach Bundesland variieren die Distanzen. In der Musterbauordnung wird eine Tiefe der Abstandsfläche von 0,4 H verlangt, mindestens aber 3 m. Die Angabe „H“ bezieht sich auf die Höhe der Kleinwindanlage. In Bayern verlangt die Landesbauordnung einen Abstand von 1 H.

Alles in allem sind die baurechtlichen Abstandsflächen kein Problem, weil man sie aus technischer Sicht sowieso einhalten sollte. Ein Beispiel: Wenn man eine 10 m hohe Windenergieanlage hat, dann wird diese mindestens 10 m vom nächsten Gebäude entfernt stehen. Die bayerische Vorgabe von 1 H würde somit eingehalten.

Autor: Patrick Jüttemann