Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern fürs Haus

Für den Energieversorger ein gutes Geschäft: Ein 4-Personen-Haushalt wird in den nächsten 20 Jahren rund 30.000 Euro für Stromrechnungen zahlen. Die Alternative: Strom selbst erzeugen. Die Batterie ist für eine hohe Selbstversorgung unverzichtbar. Das kann sich heute schon lohnen. Schon heute wird jede zweite neue Solarstromanlage mit Batteriespeicher verkauft.

Wann ist ein Batteriespeicher wirtschaftlich?

Auch bei Batterien gilt: Schauen Sie nicht primär auf den Kaufpreis.

Die teurere Batterie wird die bessere Wahl sein, wenn die bereitgestellte Strommenge im Laufe der Betriebszeit erheblich höher ist als beim günstigeren Konkurrenzprodukt.

Die entscheidende Frage bei der Wirtschaftlichkeit
eines Stromspeichers:

Wie teuer ist die Kilowattstunde Strom,
die durch die Batterie bereitgestellt wird?

Die Berechnung der Speicherkosten kann man simpel halten. Ein Beispiel:

  • Schlüsselfertiger Preis des Batteriespeichers: 6.500 €
  • Bereitgestellte Strommenge: 32.000 kWh (Kilowattstunden)
  • Speicherkosten: 6.500 / 32.000 = 0,20 Euro pro kWh

Sind 0,20 Euro pro kWh Speicherkosten ein guter Wert?
Wann lohnt sich eine Batterie fürs Eigenheim?

Den Strompreis unterbieten

Batteriespeicher von Solarwatt

Batteriespeicher von Solarwatt

Die Messlatte für die Beurteilung der Speicherkosten ist der eigene Strompreis. Angenommen ein Haushalt hat im Jahr 2018 einen Strompreis von
30 Cent pro kWh. Diese Kosten des Stromkaufs müssen von Speicherung und Erzeugung unterboten werden.

Gehen wird davon aus, dass eine neue PV-Anlage Strom für 10 Cent pro kWh erzeugt.

  • Kosten für Erzeugung: 10 Cent pro kWh
  • Kosten für Speicherung: 20 Cent pro kWh
  • Summe: 30 Cent pro kWh

Der Strom aus dem Speicher würde im Jahr 2018 nur so viel kosten, wie vom Energieversorger (Strompreis).

Eine realistische Annahme nach einer Pressemeldung vom Solar Cluster Baden-Württemberg e.V vom Mai 2017:

„Die Zeit spielt für die Batteriespeicher. In den nächsten Monaten werden die Kosten weiter sinken, spätestens 2018 könnte eine Mehrzahl der Speicher bei guter Planung die Wirtschaftlichkeitsgrenze auch ohne Förderung erreichen. Dann kostet das Speichern einer Kilowattstunde Solarstrom den Betreiber rund 18 Cent pro Kilowattstunde.“

Doch man muss Vorsicht walten lassen. Der junge Markt für Batteriespeicher zeigt typische Merkmale einer frühen Entwicklungsphase: Viele Anbieter und große Diskrepanz in der Produktqualität.

Unabhängigkeit vom steigenden Strompreis

Mit einem Heimspeicher schützt man sich vor steigenden Strompreisen.

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte in Deutschland ist stark gestiegen:
Im Jahr 2007 waren es 20,64 Cent pro kWh.
Im Jahr 2017 sind es 29,16 Cent pro kWh.

Eine Steigerung des Strompreises für Haushalte von über 40 Prozent in 10 Jahren. Allerdings ist die Steigerungsrate in den letzten 4 Jahren weniger stark gestiegen.
Quelle: Wikipedia

Ein 4-Personen-Haushalt wird in den kommenden 20 Jahren rund 30.000 Euro an den Stromversorger zahlen, sofern keine Eigenerzeugung vorhanden ist. 
Annahmen:
- 4.000 kWh pro Jahr
- Strompreis heute: 29 Cent pro kWh
- Jährliche Steigerung des Strompreises: 2,5 %

Mit Eigenerzeugung und Batteriespeicher kann man sich gegen diese Preissteigerung zu einem Großteil unabhängig machen. Mit der Kombination von Solarstromanlage und Batteriespeicher ist ein Autarkiegrad bis zu 70 Prozent erreichbar.
Autarkiegrad heißt: Anteil des jährlichen Stromverbrauchs, den man selbst decken kann.

Zusätzlich mit einer Kleinwindkraftanlage als Stromquelle im Herbst und Winter sollten annähernd 100 Prozent autarke Stromversorgung drin sein.

Autarke Stromversorgung

Hinweis zu Kleinwindanlagen

Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb einer Mini-Windanlage ist eine windstarke Lage. Längst nicht jeder Haushalt hat ein Grundstück mit viel Wind. Bei Gewerbebetrieben und Landwirten können die Voraussetzungen  erheblich besser sein (Randlage oder Einzellage). 

Windanlagen sollte man nicht auf Dächer bauen, sondern auf einen Mast neben dem Haus. Eine Solarstromanlage dagegen passt fast auf jedes Dach und produziert auch für Einfamilienhäuser günstigen Strom.

PV-Anlage und Batterie sollten beim privaten Energiekonzept die erste Investition sein. Danach sollte die Eignung einer Kleinwindanlage geprüft werden, um den Autarkiegrad zu erhöhen.

Weitere Infos zu Kleinwindkraftanlagen:

Das Windrad fürs Einfamilienhaus: Installation auf dem Dach sinnvoll?

Kosten kleiner Windkraftanlagen und Wirtschaftlichkeit

Kosten für Batteriespeicher

Batteriespeicher fürs Eigenheim boomen. Fast jede zweite neue Solarstromanlage wird mittlerweile mit Batterie installiert.

Einen guten Einblick in den Markt hat die DAA Deutsche Auftragsagentur GmbH: Eine Untersuchung über das Solaranlagen-Portal vom Juni 2017 umfasste 1.000 Angebote an Hausbesitzer, die innerhalb der vorherigen 12 Monaten von Handwerksbetrieben abgegeben wurden.

Ergebnis der Erhebung:

Durchschnittlicher Angebotspreis für Solarstromspeicher: 9.665,50 Euro

Durchschnittliche Speichergröße: 7,59 kWh

Kosten pro Speicherkapazität: 1.270 Euro pro kWh (- 12 % zum Vorjahr)

Wichtig ist der Trend der letzten Jahre: die Kosten sind kontinuierlich gesunken.

Die meisten 4-Personen-Haushalte werden mit einer Speicherkapazität von
4 bis 6 kWh auskommen. Die Preise für Solarspeicher bewegen sich dann zwischen 4.800 und 7.200 Euro (bei Kosten pro Speicherkapazität von 1.200 Euro pro kWh im Jahr 2018).

Herstellerangaben mit Vorsicht genießen

Längst nicht jede Batterie fürs Eigenheim hält, was der Hersteller auf dem Datenblatt angibt. Es gibt große Unterschiede bei der Effizienz und Qualität von Batteriespeichern.

Als Käufer und Nutzer einer Solarbatterie will ich wissen, wie viel Strom die Batterie während ihrer gesamten Betriebszeit bereitstellt. Die bereitgestellte Strommenge hängt von diversen Faktoren ab: Systemwirkungsgrad, Speicherkapazität, Entladetiefe und Zyklenzahl.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat 16 Solarstromspeicher für das Eigenheim vermessen und große Unterschiede bei den Batteriewirkungsgraden ermittelt: Die Werte lagen zwischen 78 und 98 Prozent. Die Namen der Hersteller wurden nicht genannt.

Diese Intransparenz verunsichert potentielle Käufer. Industrie und Fachverbände haben deshalb mit Prüf- und Forschungsinstituten eine Initiative gestartet, um einen Standard für Testbedingungen und Datenblattangaben zu schaffen. Details dazu kann man im „Effizienzleitfaden für PV-Speichersysteme“ nachlesen: Infos dazu auf dieser Seite des Bundesverband Energiespeicher.

Die Teilnahme an dem Regelwerk ist freiwillig. SMA hat im Juli 2017 als erster Hersteller von einem unabhängigen Prüfinstitut drei Batterie-Wechselrichter nach den Richtlinien vermessen lassen.

Fazit: Beim Kauf eines Batteriespeichers sollte man auf unabhängige Test achten, um die Angaben des Herstellers zu verifizieren.

Eigenversorgung anstatt Einspeisung

Beim Kleinwindkraft-Portal sind über 7.000 Newsletter-Abonnenten ein geeigneter Pool für Marktforschung. Ich frage meine Leser beispielsweise, über welche Themen sie mehr wissen wollen.

Eine der häufigsten Antworten: Ich will mich selbst mit Strom versorgen. Einspeisung muss nicht sein. Man verzichtet auf die (zunehmend sinkende) Vergütung und erspart sich dadurch Bürokratie. Durch die Vergütung des eingespeisten Stroms fallen Gewerbeanmeldung, Steuerabrechnungen etc. an.

Eine wesentliche Motivation ist die Vermeidung der steigenden Stromkosten.
Das Motto: Lieber Selbstversorger, als hohe Rechnung durch den Energieversorger.

Die Zeiten hoher Rendite durch Einspeisung sind vorbei

In Zeiten hoher Einspeisetarife für Solarstrom galt als wirtschaftliche Prämisse: Dach voll machen mit Solarmodulen und den Strom komplett einspeisen. Die hohe Vergütung ermöglichte gute Renditen.

Wer heute vorwiegend auf Rendite aus ist, wird eine kleine PV-Anlage (ohne Batterie) installieren, um ein Großteil des Solarstroms direkt zu verbrauchen. Kosten des selbst produzierten Solarstroms von 10 Cent pro kWh sind möglich: ein Drittel des Strompreises eines Haushalts. Fantastisch, wie stark die Kosten für PV-Anlagen in den letzten Jahren gesunken sind.

Der Nachteil einer auf Direktverbrauch dimensionierten PV-Anlage: der Autarkiegrad wird maximal rund 30 % betragen. So müssen noch 70 % des Stroms aus dem Netz bezogen werden. Man ist deutlich anfälliger für Strompreissteigerungen.

Fazit

Ein Heimspeicher eignet sich für Menschen, die unabhängig vom Stromversorger und den steigenden Stromrechnungen werden wollen. Das wird sich im Zeitverlauf immer mehr lohnen, da die Strompreise steigen.

Essenziell ist eine vernünftige Systemplanung d.h. Auslegung von Solarstromanlage und Batterie auf den individuellen Stromverbrauch. 

Beim Kauf eines Heimspeichers sollte man auf Tests unabhängiger Prüfinstitute achten.

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