Vertikale Windkraftanlage wird wieder abgebaut – Aus Fehlern lernen

Urbane WindenergieIm Rheinland wurde eine Kleinwindkraftanlage wieder abgebaut, da die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Abgesehen von technischen Problemen des spezifischen Anlagentyps, hat das unzureichende Windangebot zu niedrigen Stromerträgen geführt. Eine Standort-Analyse aus der Ferne…

Auf dem Nachrichten-Portal der Rheinischen Post unter rp-online.de erschien Anfang April 2016 ein Artikel, der auf den Abbau einer vertikalen Kleinwindanlage eingeht. Das Kleinwindrad hätte sich „insgesamt als Flop“ erwiesen. Auf Grundlage der im Artikel genannten Fakten verwundert es nicht, dass die Kleinwindanlage nicht von Erfolg gekrönt war. Dieses Projekt ist kein Einzelfall, aufgrund von Fehlern in der Projektplanung wird so manche Kleinwindkraftanlage wieder deinstalliert. Schauen wir uns das Projekt also genauer an: es gilt, aus Fehlern zu lernen.

Beschreibung des Kleinwind-Projekts

Die vertikale Windturbine des Typs qr5 vom britischen Hersteller Quiet Revolution wurde 2012 installiert und war insgesamt 3,5 Jahre in Betrieb. Das Windrad war die meiste Zeit defekt und hat nur wenig Strom produziert. Die Anlage befand sich auf einer Wiese nördlich der Gillbachschule, eine Grundschule in der Gemeinde Rommerskirchen im Rhein-Kreis Neuss.

Die Beschaffung von Ersatzteilen für die vertikale Windanlage in Rommerskirchen war nicht möglich, da der Hersteller im Jahr 2014 Insolvenz anmelden musste. Auf dem Kleinwindkraft-Portal wurde darüber berichtet. Das folgende Foto zeigt ein Vertikalwindrad von Quiet Revolution auf einem Bürogebäude in Essen.

Vertikales Windrad auf Flach-Dach
Foto: Patrick Jüttemann

Ursprünglich hätte die Windanlage auf dem Schulhof montiert werden sollen, was von der Schulleitung verhindert wurde. Es wurden Geräusche befürchtet, die den Unterricht stören könnten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die qr5 sehr leise ist und wohl keine Probleme verursacht hätte. Der Standort der Windturbine wurde vom Schulhof auf die nördliche Wiese verlegt. Doch auch auf der freien Wiese waren die Windbedingungen zu schwach. Auch als die Windanlage noch in Betrieb war, war die Stromproduktion geringer als erhofft, so die Berichterstattung auf rp-online.de.

Standort-Analyse auf Google Maps

Auf Google Maps kann man die auf einer Wiese installierte Kleinwindanlage noch erkennen, auf der Karte unten mit einem roten Pfeil markiert. Die Hauptwindrichtung ist mit gelben Pfeilen markiert. Auf dem Schulhof, dem ursprünglich vorgesehenen Standort, wären die Windbedingungen schlechter als auf der Wiese gewesen. Der Schulhof ist ringsherum von Gebäuden umgeben. In westlicher Richtung d.h. in Hauptwindrichtung sind zudem mehrere Bäume erkennbar. Insgesamt erweist sich der Schulhof als sehr fragwürdiger Standort.

Windanlage einer Schule
Grafik: Google Maps. Markierungen: Patrick Jüttemann (Klick aufs Bild für Großansicht)

Die freie Lage auf der Wiese ist besser, da zumindest in unmittelbarer Nähe keine Bäume und Gebäude vorhanden sind, die den Wind blocken oder verwirbeln könnten.

Ein aussagekräftigeres Bild des Windpotenzials bekommt man mit der Betrachtung der näheren Umgebung, vor allem was westlich vom Standort der Windanlage betreffende Objekte angeht. Diverse Baumreihen und Gebäude verhindern die freie Anströmung des starken Westwindes. Auch die Wiese ist bei einer Ad-hoc-Beurteilung mit Hilfe von Google Maps und Google Earth kein besonders aussichtsreicher Standort.

Mit Windmessung vorab Standort prüfen

Anscheinend wurden bei der Planung der Kleinwindkraftanlage die Windverhältnisse des Standorts nur unzureichend betrachtet. Der Schulhof als originärer Standort ist nicht wirklich aussichtsreich. Auch die Wiese als letztendlichem Aufstellungsort wird nicht frei aus Hauptwindrichtung angeströmt. Mit einer Windmessung hätte man vorab das Windpotenzial in Erfahrung bringen können. Eine Erkundung der Gegend auf Google Maps und Google Earth zeigt: es gibt deutlich aussichtsreichere Standorte in der näheren Umgebung.

Hier gibt es weitere Infos zum Thema Windmessung.

Autor: Patrick Jüttemann