Pilotprojekt: Versorger testen Kleinwindkraftanlagen

Pilotprojekt: Ver- und Entsorgungsunternehmen aus dem Rheinland testen Kleinwindkraftanlagen

Ein Energie- und Wasserversorger sowie ein Abwasserentsorger vom Niederrhein prüfen gemeinsam den Einsatz von Kleinwindanlagen für die Stromversorgung von Wasseraufbereitungs- und Kläranlagen. Das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt unter Hochschulbeteiligung hat Modellcharakter, da es deutschlandweit eine Vielzahl ähnlicher Standorte in freier Lage geben könnte.

Strom für die Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung

Niersverbandsvorstand Prof. Dietmar Schitthelm (l.) und NEW-Vorstand Dr. Rainer Hellekes stellen Kleinwind-Projekt vor (Foto: NEW AG)

Für die Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung wird deutschlandweit viel Energie benötigt. In einer Region am linken Niederrhein (NRW) haben zwei Ver- bzw. Entsorgungsunternehmen eine Kooperation geschlossen, um Kleinwindkraftanlagen für die Stromversorgung, für die Trinkwasseraufbereitung und für die Abwasserreinigung zu prüfen. Der Niersverband und die NEW AG haben am 27.11.2014 das interessante Kleinwind-Projekt vorgestellt, welches Pilotcharakter für andere Regionen hat.

Test von horizontalen und vertikalen Windrädern

An einer Kläranlage und einer Wasserpumpstation werden seit einigen Monaten Windmessungen durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse sprechen für das Erreichen der nächsten Projektphase, der Installation von Kleinwindrädern an beiden Standorten. Ziel ist der Vergleich unterschiedlicher Anlagentypen. Geplant sind zwei horizontale und sechs vertikale Windkraftanlagen mit einer Nennleistung zwischen 10 und 30 Kilowatt. Die Nabenhöhe liegt zwischen 16 und 30 Metern. Der Test von Kleinwindanlagen in freier Natur ist essenziell, da natürliche Windverhältnisse im Windkanal nur unzureichend simuliert werden können.

Das auf drei Jahre angesetzte Projekt wird zu technischen und betriebswirtschaftlichen Schlussfolgerungen führen, ob und welche Kleinwind-Typen für einen nachhaltigen Betrieb geeignet sind. Als wissenschaftlicher Partner unterstützt die Hochschule Niederrhein das Projekt und wird u.a. für Wirtschaftlichkeitsanalysen zuständig sein.

Das Investitionsvolumen von 800.000 Euro wird von den Projektpartnern zu gleichen Teilen getragen. Der erzeugte Strom dient alleine der Versorgung der wassertechnischen Anlagen. Eine Förderung in Form von EEG-Einspeisetarifen oder KfW-Krediten findet nicht statt.

Kleinwindanlagen Testfeld

Geplantes Testfeld mit Kleinwindkraftanlagen – Fotomontage (Grafik: Niersverband)

Projektpartner: NEW AG und Niersverband

NEW AG
Als kommunales Versorgungsunternehmen mit Sitz in Mönchengladbach beliefert die NEW AG ihre Kunden mit Strom, Gas sowie Wasser und ist Betreiber der entsprechenden Versorgungsnetze. Bei der Stromerzeugung setzt die NEW AG schon auf Großwindkraftanlagen in der Region. Weitere Dienstleistungen umfassen den öffentlichen Nahverkehr und den Betrieb von Schwimmbädern. Die NEW-Gruppe hat nahezu 2.000 Mitarbeiter.
NEW im Internet: www.new.de

Niersverband
Der Niersverband ist ein Wasserwirtschaftsverband, der für das Einzugsgebiet der Niers zuständig ist. Die Niers ist ein Fluss am linken Niederrhein. Der Niersverband betreibt 22 Kläranlagen. Energieeffizienz in der Abwasserreinigung ist eine zentrale Aufgabe des Verbands. Dazu gehören energiesparende Verfahren als auch die Nutzung von Klärgasen. Der Test von Kleinwindanlagen ist das jüngste Energieprojekt des Unternehmens.
Niersverband im Internet: www.niersverband.de

Hochschule Niederrhein
Als NEW-Stiftungsprofessor an der Hochschule Niederrhein wird Professor Dr. Ulrich Nissen das Projekt wissenschaftlich begleiten. Prof. Nissen ist Experte für Controlling in der Energiewirtschaft und für das betriebswirtschaftliche Energiemanagement.
Hochschule Niederrhein – Professor Dr. Nissen

Kläranlagen prädestiniert als Standorte für Kleinwindkraftanlagen

Kläranlagen und andere Anlagen für die Wasseraufbereitung befinden sich oft in freier Lage oder am Siedlungsrand. Solche Standorte weisen im Vergleich zum Siedlungsbereich oft deutlich bessere Windverhältnisse auf. Auch der hohe Strombedarf wassertechnischer Anlagen spricht für den Betrieb von Kleinwindanlagen. Die Kläranlagen des Niersverbandes weisen für das Jahr 2013 einen Stromverbrauch von 45.000 Megawattstunden auf, was den Verbrauchswerten von rund 11.000 Haushalten entspricht.

In Deutschland gibt es rund 9.500 kommunale Abwasserbehandlungsanlagen. Wie viele dieser Standorte ein für Kleinwindanlagen ausreichendes Windangebot haben, müsste genauer untersucht werden. Doch die oftmals freie Lage von Kläranlagen lässt ein beträchtliches Potenzial für den Betrieb kleiner Windräder vermuten.