MOWEA: Mikro-Windkraft für die Industrie | Spannendes Startup aus Berlin

MOWEA: Mikro-Windkraft für die Industrie

Mit MOWEA betritt ein spannendes Unternehmen den Markt für Kleinwindanlagen. Die Mikrowindanlagen des Berliner Startups kommen für industrielle Anwendungen wie Mobilfunkmasten zum Einsatz. Eine Besonderheit ist das modulare Systemkonzept. Anstatt mehrere Windanlagen-Modelle mit unterschiedlich großem Rotor und Generator anzubieten, wird nur eine Windanlage als Kerneinheit produziert. Eine Skalierung der Stromproduktion wird durch das Zusammenschalten mehrerer Windanlagen erreicht.

Erfolgreicher Markteinstieg durch Großauftrag

Es war keine alltägliche Pressemeldung in der Kleinwindkraft-Branche: im Januar 2022 hat der Betreiber von Mobilfunkmasten Vantage Towers die Installation von 750 Mikrowindanlagen von MOWEA angekündigt. Der grüne Windstrom soll 52 Funkmasten in Deutschland versorgen.

Bis zu zwei Drittel des Strombedarfs der Funkmasten könnte durch die Kleinwindanlagen gedeckt werden. Der Strom wird nur vor Ort verbraucht und nicht ins Stromnetz eingespeist. Vodafone als größter Kunde von Vantage Towers will bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden.

Unabhängige Referenz durch Industriepartner

MOWEA wurde als Newcomer in den Kleinwind-Marktreport 2022 aufgenommen. Im Kleinwind-Marktreport werden nur Hersteller dargestellt, die eine unabhängige Referenz zur technischen Qualität haben. Das muss keine Zertifizierung nach IEC 61400-2 sein, was für Mikrowindanlagen wohl viel zu teuer wäre.

Überzeugend bei MOWEA ist die Zusammenarbeit mit der Vodafone-Tochter Vantage Tower im Rahmen eines Pilotprojekts. Auf einem Mobilfunkmast in Mecklenburg-Vorpommern wurden im Dezember 2019 vier Mikrowindanlagen in Form eines Prototypen installiert. Im Anschluss dieser Tests wurde von Vantage Tower ein Auftrag über 750 Windanlagen vergeben.

Ein unabhängiger Test inklusive Vermessung der Windanlage erfolgt zurzeit (Juli 2022) auf dem Kleinwind-Testfeld in Österreich. Diese Windanlage (siehe unten: MOWEA Core) ist für die erste Serienfertigung vorgesehen. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des Prototypen.

Modulares Systemdesign

Bei Solaranlagen ist der modulare Aufbau die Regel. Mehrere Solarmodule agieren zusammen als ein Kraftwerk. Je höher der Strombedarf, desto mehr Solarmodule kommen zum Einsatz. MOWEA setzt auf eine ähnliche Logik. Anstatt ein Portfolio verschiedener Windanlagen mit unterschiedlich großem Rotor anzubieten, kommt nur ein Mini-Windrad zum Einsatz. Das aber mehrfach im Verbund, je nach Leistungsbedarf.

Kern des Systems sind die einzelnen Mikrowindanlagen (MOWEA Core) mit einer Leistung von 500 Watt bei einer Windgeschwindigkeit von 11 m/s, der  Rotordurchmesser beträgt 1,7 m. Mehrere Windanlagen sind in ein System eingebunden, welches verschiedene Komponenten zur Stromleitung, Kommunikation, Steuerung und Sicherheit umfasst. Je nachdem, wo die Kleinwindsysteme installiert werden (Funkmast, Brückenpfeiler, Hochhausdach etc.), werden verschiedene Montagekonzepte angeboten.

Der Fokus auf eine Mikrowindanlage als Kerneinheit hat zudem den Vorteil, durch die Ausweitung der Produktion schneller Skaleneffekte realisieren zu können. Schließlich liegt in der Massenfertigung und der Senkung der Stückkosten ein wichtiger Hebel für die Wirtschaftlichkeit.

Funkmasten als schlüssiges Anwendungskonzept

Für das Geschäftsmodell von MOWEA spricht zudem das schlüssige Anwendungskonzept bei Mobilfunkmasten. Das betrifft zum einen die windstarke Lage der Einsatzgebiete, ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor für jede Kleinwindanlage.

Man kann sich kaum einen besseren Standort vorstellen als einen Sendemasten. Die Masten müssen per se eine exponierte Lage wie z.B. auf einem Hügel haben, um eine möglichst hohe Reichweite abdecken zu können. Zusätzlich kommt die Höhe des Funkmasten dazu. Alles in allem kann man von hohem Windpotenzial ausgehen. Ein entscheidende Voraussetzung für die Erzeugung von günstigem Windstrom.

Zum anderen sollen auch mit Blick auf die weltweiten Märkte Funkmasten als Off-Grid-Standorte mit Strom versorgt werden. Alternative Stromversorgung an solchen Standorten fernab des öffentlichen Stromnetzes sind oft Dieselgeneratoren. Hybridsysteme bestehend aus Photovoltaik- und Mikrowindanlagen dürften an vielen Standorten günstiger sein als Dieselgeneratoren. Die Mikrowindanlage ist in vielen Klimaregionen als Stromquelle für sonnenschwachen Zeiten (dunkler Winter, Regenzeit etc.) unverzichtbar.

Off-Grid Kleinwindanlage Funkmast

MOWEA nennt neben Funkmasten weitere Geschäftsfelder, wie z.B. die Stromerzeugung auf hohen Gebäuden. Hier fehlt noch eine unabhängige Referenz wie bei den Funkmasten. In der Vergangenheit gab es mehrere Versuche, urbane Windkraft in Form von Kleinwindanlagen auf Hochhäusern zu nutzen. Ein Durchbruch ist bislang ausgeblieben. MOWEA sollte auch hier in einem Pilotprojekt mit unabhängiger Begleitung unter Beweis stellen, dass Mikrowindkraft auf hohen Dächern wirtschaftlich Strom erzeugen kann.

Eigenheim-Besitzer keine Kundengruppe

Nachvollziehbar ist die Entscheidung von MOWEA, das Privatsegment nicht zu bedienen. Die Mikrowindanlage wird nicht an private Hausbesitzer verkauft. Denn private Grundstücke im Wohngebiet haben meistens zu wenig Wind. Leider gibt es immer wieder unehrliche Anbieter von Mikrowindanlagen, die in ihrer Werbung gezielt private Hausbesitzer ansprechen. Für die meisten Käufer ist das eine Fehlinvestition. Es spricht für die Seriosität von MOWEA, das Eigenheim im windschwachen Wohngebiet als Marktfeld auszuklammern.

Mal schauen, was die Zukunft für Mowea bringt. Der erste Markteinstieg in Form eines Großauftrags ist geschafft. Das für die erste Serienfertigung vorgesehene Windrad-Modell wird auf einem Testfeld vermessen (Stand Juli 2022). Hier müssen die Ergebnisse abgewartet werden. Nach dem Aufbau der Serienfertigung stünde die Installation hunderter Windanlagen an. Sollte langfristig eine zuverlässige und wirtschaftliche Stromversorgung der Funkmasten in diesem Maßstab gelingen, bestünde international ein großes Marktpotenzial.

Weitere Informationen zu MOWEA:

Autor: Patrick Jüttemann.
Letzte Änderung des Artikels: 21.07.2022.