In vielen Gemeinden und Landkreisen wird die Energiewende vor allem mit Photovoltaik und großen Windenergieanlagen bzw. Windparks verbunden. Kleinwindkraft steht dagegen selten auf der Agenda, auch weil diese Form der dezentralen Stromerzeugung wenig bekannt ist und mögliche Standorte noch nicht systematisch auf ihre Eignung geprüft wurden.
Dabei folgt Kleinwindkraft einer anderen Logik als ein Windpark: Eine Kleinwindanlage ist kein zentral geplantes Windkraftprojekt, sondern eine dezentrale Investition an einem konkreten Standort. Geeignet sind Standorte, an denen gute Windverhältnisse und ein hoher Stromverbrauch zusammentreffen, etwa bei Klärwerken, Wasserwerken, Gewerbebetrieben oder landwirtschaftlichen Betrieben.
Genau hier sollten Kommunen und regionale Akteure zuerst ansetzen. Dieser Beitrag zeigt dir, wie du geeignete Standorte und Betreiber findest, mögliche Projekte fachlich prüfen lässt und daraus Schritt für Schritt eine regionale Initiative für Kleinwindkraft entwickelst.
Inhaltsverzeichnis
Kleinwindkraft ist kein zentral geplantes Windparkprojekt
Wer in Deutschland von Windenergie spricht, denkt meist an große Windkraftanlagen, die auf planerisch ausgewiesenen Flächen zu Windparks zusammengefasst werden. Dort speisen mehrere Megawatt-Windanlagen ihren Strom für den Verkauf an Dritte in das öffentliche Netz ein. Kleinwindkraft folgt einem anderen Prinzip.
Dezentrale Investition an einem konkreten Standort
Eine Kleinwindanlage wird als einzelnes Projekt auf einem konkreten Grundstück geplant. Das kann beispielsweise das Gelände eines Klärwerks, eines Wasserwerks, eines Gewerbebetriebs oder eines landwirtschaftlichen Betriebs sein.
Ziel ist es, einen möglichst großen Anteil des Windstroms direkt am Standort zu verbrauchen. Überschüsse können in das öffentliche Netz eingespeist werden. Deshalb werden bei der Projektplanung nicht nur die Windverhältnisse betrachtet. Auch der Strombedarf des Betriebs, das Lastprofil und die mögliche Anlagenhöhe spielen eine Rolle.
Ob ein Standort geeignet ist, lässt sich nicht pauschal für eine ganze Gemeinde bestimmen. Gebäude, Bäume und die Geländeform beeinflussen das Windangebot. Zwei Grundstücke in derselben Kommune oder demselben Landkreis können deshalb völlig unterschiedliche Voraussetzungen bieten.
Ein Vorteil von Kleinwindkraftanlagen ist, dass sie optisch unauffällig sind. Wegen ihrer geringeren Höhe und Abmessungen fallen sie deutlich weniger ins Auge als große Windenergieanlagen. Nach meiner Erfahrung stoßen solche Anlagen deshalb in der Bevölkerung kaum auf Widerstand.
Die folgende Abbildung zeigt rechts eine Megawatt-Windkraftanlage, wie sie für einen Windpark typisch ist. In der Mitte ist eine gewerblich genutzte Kleinwindkraftanlage mit einer maximalen Höhe von 50 Metern zu sehen, links eine privat genutzte Kleinwindanlage.

Welche Rolle Kommune und regionale Initiative übernehmen
Die Kommune muss nicht selbst zum Anlagenbetreiber werden. Ihr Hebel liegt vor allem darin, mögliche Projekte anzustoßen und die dafür notwendigen Akteure zusammenzubringen.
Die Gemeinde kann jedoch auch selbst aktiv werden, etwa wenn sie über ein kommunales Unternehmen als Eigentümerin eines geeigneten Standorts und mittelbar als Investorin oder Betreiberin auftritt.
Sie kann größere kommunale und gewerbliche Stromverbraucher erfassen, erste Standorte betrachten und Betreiber über die Möglichkeiten der Kleinwindkraft informieren. Ebenso kann sie frühzeitig Gespräche mit Bauamt, Naturschutzbehörde und Netzbetreiber unterstützen.
Eine regionale Initiative trifft also nicht die Investitionsentscheidung für den einzelnen Betrieb. Sie schafft den Rahmen, in dem geeignete Standorte erkannt, fachlich geprüft und zu tragfähigen Pilotprojekten entwickelt werden können.
Windstandort und Stromverbrauch zusammenbringen
Das Windangebot unterscheidet sich in Deutschland deutlich nach Region. Küstenländer wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern bieten tendenziell mehr windstarke Lagen als viele Gebiete im Süden Deutschlands. In einem Bundesland wie Bayern können größere Landesteile für Kleinwindkraft wenig aussichtsreich sein.
Eine pauschale Bewertung nach Bundesland wäre trotzdem falsch. Auch in einer windstarken Küstenregion kann ein Grundstück durch Gebäude, Bäume oder eine ungünstige Geländelage ungeeignet sein. Umgekehrt können in einer insgesamt windschwächeren Region exponierte Höhenlagen ausreichende Windverhältnisse bieten.
Das regionale Windpotenzial ist deshalb ein erster Filter. Über das konkrete Kleinwindprojekt entscheidet anschließend der einzelne Standort.
Die wichtigsten Kriterien für den Standort einer Kleinwindanlage werden im Grundlagenbeitrag ausführlich erläutert.
Von großen Stromverbrauchern zum geeigneten Windstandort
Ein praktikabler Ausgangspunkt ist eine Übersicht der größeren Stromverbraucher in der Region. Dazu können Klärwerke, Wasserwerke, Bauhöfe, Stadtwerke, Gewerbebetriebe und landwirtschaftliche Betriebe gehören.
Auch Gewerbe- und Industriegebiete bieten potenziell geeignete Standorte für Kleinwindanlagen und umfassen oft stromintensive Unternehmen. Anschließend muss geprüft werden, welche Betriebsgelände windstark gelegen sind. Besonders aussichtsreich sind frei angeströmte Betriebsgelände außerhalb dichter Bebauung, auf Anhöhen oder am Rand offener Landschaften. Hohe Bäume, Hallen und andere Hindernisse können das Windangebot dagegen erheblich verschlechtern.
Neben dem Jahresstromverbrauch des Betriebs sollte bereits bei der Vorauswahl das Lastprofil betrachtet werden. Ein Betrieb, der kontinuierlich Strom benötigt, kann einen größeren Anteil des erzeugten Windstroms selbst nutzen als ein Verbraucher mit nur kurzen oder saisonalen Lastspitzen.
Von windstarken Lagen zum passenden Betreiber
Die Suche kann auch in umgekehrter Richtung beginnen. Regionale Windkarten und der Global Wind Atlas helfen dabei, zunächst potenziell windstarke Gebiete zu erkennen.
Anschließend wird untersucht, welche Grundstücke, Unternehmen oder kommunalen Einrichtungen sich dort befinden. Dabei stellen sich unter anderem folgende Fragen:
- Gibt es in der Nähe einen größeren Stromverbraucher?
- Ist ausreichend Platz für eine Kleinwindanlage vorhanden?
- Welche Hindernisse beeinflussen die freie Anströmung?
- Besteht grundsätzliches Interesse an einem Projekt?
Diese zweite Suchrichtung verhindert, dass gute Windstandorte übersehen werden, nur weil dort nicht von Anfang an ein Betreiber bekannt ist.

Eine erste regionale Standortliste erstellen
Das Ergebnis dieser Untersuchung ist eine priorisierte Liste möglicher Projektstandorte.
Für jeden Standort sollten mindestens folgende Punkte erfasst werden:
- Erste Einschätzung des lokalen Windangebots
- Geländeform, Bebauung, Bäume und weitere Hindernisse
- Mögliche Nabenhöhe der Windanlage
- Stromverbrauch und Lastprofil
- Verfügbare Fläche und Eigentumsverhältnisse
- Potenzieller Betreiber
- Erste erkennbare Genehmigungs- oder Anschlussfragen
Auf diese Weise lassen sich ungeeignete Standorte früh aussortieren. Die verbleibenden Kandidaten können anschließend durch ein Ingenieurbüro genauer untersucht werden.
Warum kommunale und gewerbliche Betriebe zuerst kommen
Kleinwindkraft entfaltet ihr größtes Potenzial dort, wo viel Strom direkt vor Ort verbraucht wird. Deshalb sollte eine regionale Initiative zuerst kommunale Unternehmen, stromintensive Gewerbebetriebe und landwirtschaftliche Betriebe betrachten.
Kommunale Unternehmen als Pilotstandorte
Klärwerke, Wasserwerke, Bauhöfe mit elektrischem Fuhrpark und andere kommunale Betriebe benötigen teilweise rund um die Uhr Strom. Gleichzeitig verfügen sie häufig über eigene Betriebsflächen.
Liegt ein solcher Betrieb an einem windstarken Standort, kann er sich gut für ein Pilotprojekt eignen. Die Kommune kann dabei über ihr Unternehmen selbst investieren und zugleich praktische Erfahrungen sammeln. Ein reales Beispiel ist eine 250-kW-Kleinwindanlage auf einem Klärwerk.
Ein kommunaler Standort ist allerdings nicht automatisch geeignet. Auch hier müssen Windangebot, Stromverbrauch, Platzverhältnisse und Wirtschaftlichkeit fachlich geprüft werden.

Gewerbebetriebe und Landwirtschaft
Auch andere Unternehmen mit hohem Stromverbrauch kommen als Betreiber infrage. Gewerbe- und Industriebetriebe sowie landwirtschaftliche Betriebe verfügen teilweise über Grundstücke außerhalb dichter Wohnbebauung. Weitere Grundlagen bietet der Fachartikel Kleinwindkraft für Unternehmen.
Ein hoher Eigenverbrauch des Windstroms ist wichtig für die Wirtschaftlichkeit. Maßgeblich bleibt jedoch die Kombination aus guter Windlage, passendem Lastprofil und einer technisch zuverlässigen Windanlage. Ein weiteres Praxisbeispiel ist eine 100-kW-Kleinwindanlage in einem landwirtschaftlichen Betrieb.
Welche Rolle private Kleinwindanlagen spielen
Private Kleinwindanlagen können an freien, windstarken Standorten funktionieren. Häufig werden sie jedoch auf niedrigeren Masten errichtet und sind dadurch stärker von Windverschattung und Turbulenzen durch Gebäude oder Bäume betroffen.
Private Standorte sollten deshalb nicht ausgeschlossen, aber zunächst nachrangig betrachtet werden. Der Schwerpunkt einer regionalen Initiative liegt sinnvollerweise auf größeren kommunalen und gewerblichen Projekten.
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Wer eine regionale Initiative voranbringt
Für eine regionale Kleinwindkraft-Initiative genügt für den Anfang ein kleiner Kreis von engagierten Personen, der mögliche Standorte und Betreiber zusammenbringt. Die Beteiligten übernehmen dabei unterschiedliche Rollen.
Initiatoren und Koordinatoren
Klimaschutzmanager, kommunale Energiebeauftragte oder regionale Energieagenturen können das Thema anstoßen und den Prozess koordinieren. Auch Bürgermeister, politische Verantwortliche, Vereine oder Bürgerenergie-Akteure kommen als Initiatoren infrage.
Ihre Aufgabe ist es, Informationen zu sammeln, Beteiligte anzusprechen und erste Projektchancen sichtbar zu machen.
Betreiber und Investoren
Kommunale Unternehmen, Gewerbebetriebe, Stadtwerke und Landwirte bringen mögliche Standorte und einen konkreten Stromverbrauch ein. Sie prüfen, ob eine Kleinwindanlage technisch und wirtschaftlich zum Betrieb passt, und treffen die Investitionsentscheidung.
Die Kommune kann über ein eigenes Unternehmen ebenfalls Betreiberin beziehungsweise Investorin werden.
Behörden und Fachpartner
Bauamt, Naturschutzbehörde und Netzbetreiber sollten frühzeitig eingebunden werden. So lassen sich rechtliche, naturschutzfachliche und technische Hindernisse erkennen, bevor viel Geld in die Planung fließt.
Ingenieurbüros für Windenergie und Planungsbüros bewerten anschließend das Windangebot und entwickeln ein technisch belastbares Projekt.
Unterstützer und Multiplikatoren
Umwelt- und Energievereine, Bürgerenergie-Genossenschaften sowie engagierte Privatpersonen können das Thema in die Öffentlichkeit tragen und weitere Beteiligte gewinnen. Lokal- und Regionalmedien machen erfolgreiche Pilotprojekte bekannt.
Das Windpotenzial professionell ermitteln
Nach der regionalen Vorauswahl müssen die verbleibenden Standorte genauer untersucht werden. Windkarten und Erfahrungswerte reichen nicht aus, um über eine größere Investition zu entscheiden.
Grobe Standortprüfung
Im ersten Schritt werden Geländeform, Bebauung, Bäume, Hauptwindrichtung und mögliche Nabenhöhe betrachtet. Windkarten und der Global Wind Atlas liefern Hinweise auf das regionale Windniveau. Diese Daten dienen zur Vorauswahl. Sie bilden lokale Windbarrieren nicht genau genug ab.
Professionelles Windgutachten
Ein Ingenieurbüro kann das Windangebot mit einem Gutachten am geplanten Standort genauer bewerten. Dabei werden vorhandene Winddaten, Gelände, Hindernisse und die geplante Höhe der Anlage berücksichtigt. Daraus lässt sich der voraussichtliche Energieertrag ableiten.
Eine belastbare Bewertung ist besonders relevant, weil die im Wind enthaltene Leistung mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit wächst. Bereits kleine Fehler bei der angenommenen Windgeschwindigkeit können deshalb zu deutlich falschen Ertragsprognosen führen.
Windmessung über mehrere Monate
Bei größeren Projekten oder unsicherer Datenlage kann eine Messung direkt am Standort sinnvoll sein. Gemessen wird möglichst in der geplanten Rotorhöhe.
Eine Windmessung über ein vollständiges Jahr bildet die jahreszeitlichen Unterschiede am besten ab. Kürzere Messzeiträume müssen fachlich eingeordnet und mit langfristigen Winddaten abgeglichen werden.

Investitionsentscheidung auf belastbarer Grundlage
Erst danach werden erwarteter Energieertrag, Stromverbrauch, Eigenverbrauch, Investitionskosten und laufende Kosten zusammengeführt. Auf dieser Grundlage kann der mögliche Betreiber entscheiden, ob das Projekt weiterverfolgt wird.
Rechtliche und administrative Fragen klären
Rechtliche Fragen sollten nicht erst geklärt werden, wenn die technische Planung abgeschlossen ist. Eine frühe Abstimmung mit Behörden und Netzbetreiber verhindert, dass Zeit und Geld in ein Projekt fließen, das trotz geeigneter Windverhältnisse nicht genehmigt oder angeschlossen werden kann.
Landesbauordnung und örtliches Bauamt
Die Genehmigung von Kleinwindanlagen richtet sich nach den Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes. Die Landesbauordnung regelt unter anderem, wann eine Anlage genehmigungspflichtig ist.
Auch eine genehmigungsfreie Anlage darf nicht automatisch überall gebaut werden. Die geltenden öffentlich-rechtlichen Vorschriften gelten weiterhin. Deshalb empfiehlt sich eine frühzeitige Anfrage beim örtlichen Bauamt.
Kleinwindanlagen sollten dabei nicht pauschal nach den Maßstäben großer Windenergieanlagen bewertet werden, sondern anhand ihrer tatsächlichen Größe, ihres Standorts und ihrer Auswirkungen.
Flächennutzungsplan richtig einordnen
Flächennutzungspläne und ausgewiesene Windenergiegebiete dienen vor allem der räumlichen Steuerung großer, raumbedeutsamer Windenergieanlagen und Windparks. Aus dem FNP lässt sich nicht pauschal ableiten, ob eine Kleinwindanlage an einem konkreten Betriebsstandort zulässig ist.
Naturschutz und Netzanschluss
Je nach Standort können auch naturschutzrechtliche Fragen eine Rolle spielen. Artenschutz, Schutzgebiete und mögliche Auswirkungen der Anlage müssen frühzeitig betrachtet werden.
Der Netzbetreiber sollte ebenfalls rechtzeitig einbezogen werden. Auch wenn der Windstrom überwiegend direkt verbraucht wird, müssen Netzanschluss, Zählerkonzept und mögliche Einspeisung geklärt sein.
Vom Pilotprojekt zur regionalen Initiative
Eine regionale Initiative sollte nicht versuchen, sofort das gesamte Gebiet im Detail zu untersuchen. Praktikabler ist es, zunächst einen besonders aussichtsreichen Standort auszuwählen und daraus zu lernen.
Mit einem Pilotprojekt beginnen
Für den Einstieg sollte die regionale Initiative einen besonders aussichtsreichen Standort auswählen. Dort werden Windpotenzial, Stromverbrauch, Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit gründlich geprüft.
Ein Pilotprojekt endet nicht mit einer Machbarkeitsstudie. Bestenfalls wird eine Kleinwindanlage genehmigt, gebaut und in Betrieb genommen.
Nach der Inbetriebnahme sollten die Betriebsdaten der Anlage über mindestens ein vollständiges Jahr erfasst und ausgewertet werden. Dazu gehören Stromertrag, Eigenverbrauch, technische Verfügbarkeit und Betriebserfahrungen. Eine erste Zwischenbilanz ist bereits nach dem windstarken Herbst- und Winterhalbjahr möglich. Das Jahresergebnis sollte anschließend im Zusammenhang mit langjährigen Winddaten eingeordnet werden.
Erst auf Grundlage dieses Referenzprojekts werden weitere Standorte in der Region entwickelt.
Erfahrungen dokumentieren und sichtbar machen
Die Initiative sollte die einzelnen Prüfschritte und Ergebnisse nachvollziehbar dokumentieren. Dazu gehören die Standortbewertung, das Genehmigungsverfahren, die Investitionsentscheidung und die realen Stromerträge.
Das Pilotprojekt sollte öffentlich sichtbar gemacht werden. Lokalmedien, Vereine und regionale Netzwerke können die Erfahrungen verbreiten und weitere Betriebe zur Prüfung ihrer Standorte motivieren.
Energy Sharing als zukünftige Option
Üblicherweise wird der Strom einer Kleinwindanlage vorrangig am Standort des Betreibers verbraucht. Energy Sharing könnte künftig ermöglichen, besonders gute Windstandorte gemeinschaftlich zu nutzen und den erzeugten Strom mit weiteren Verbrauchern in der Region zu teilen.
Energy Sharing ist in Deutschland noch ein relativ neues Konzept, dessen rechtliche und praktische Rahmenbedingungen sich weiterentwickeln. Eine regionale Initiative kann prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen sich das Modell vor Ort umsetzen lässt. Für das erste Pilotprojekt ist Energy Sharing keine Voraussetzung, sondern eine mögliche spätere Erweiterung.
Die ersten fünf Schritte für deine Kommune
1. Eine Initiatorengruppe bilden
Klimaschutzmanagement, kommunale Unternehmen, Politik und regionale Energieakteure an einen Tisch bringen. Für den Anfang genügt ein kleiner Kreis mit klarer Koordination.
2. Stromverbraucher und Windlagen erfassen
Kommunale Betriebe, Gewerbe- und Industriegebiete sowie landwirtschaftliche Betriebe erfassen. Anschließend mit regionalen Windkarten und Ortskenntnis prüfen, welche Standorte grundsätzlich infrage kommen.
3. Einen Pilotstandort auswählen
Den Standort priorisieren, bei dem Windlage, Stromverbrauch, verfügbare Fläche und Betreiberinteresse am besten zusammenpassen. Ziel ist zunächst ein einziges aussichtsreiches Projekt.
4. Das Projekt professionell prüfen
Windgutachten und gegebenenfalls Windmessung erstellen lassen. Parallel werden Wirtschaftlichkeit, Baugenehmigung, Naturschutz und Netzanschluss geklärt.
5. Anlage bauen und Ergebnisse auswerten
Die Kleinwindanlage genehmigen, errichten und in Betrieb nehmen. Die Betriebsdaten werden mindestens ein vollständiges Jahr erfasst und ausgewertet. Anschließend werden die Ergebnisse öffentlich bekannt gemacht. Erst danach werden weitere Standorte entwickelt.
Fazit – Mit den richtigen Standorten beginnen
Kleinwindkraft wird nicht von übergeordneter Stelle zentral geplant, sondern dezentral an geeigneten Standorten entwickelt. Ihr regionales Potenzial liegt dort, wo gute Windverhältnisse und ein hoher Stromverbrauch zusammentreffen.
Besonders aussichtsreich sind kommunale Unternehmen, Gewerbebetriebe und landwirtschaftliche Betriebe. Ob ein Standort tatsächlich geeignet ist, muss durch eine professionelle Windbewertung und die Prüfung der wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen geklärt werden.
Eine regionale Initiative erkennt die beste Projektchance, bringt die erforderlichen Akteure zusammen und ermöglicht ein erstes Pilotprojekt. Wird die Anlage erfolgreich betrieben und werden die Ergebnisse öffentlich bekannt gemacht, entsteht eine gute Grundlage für die Entwicklung weiterer Standorte.

