Kleinwindanlagen sind KLEIN: Diese Unterschiede zu Windparks und Großwindanlagen muss man kennen

Ein häufiger Grund für falsche Annahmen und Planungsfehler: Kleinwindkraftanlagen und große Windparks in einen Topf schmeißen. Merkmale und Rahmenbedingungen von Windparks bestehend aus bis zu 200 m hohen Anlagen sowie Kleinwindanlagen sind in vielen Aspekten sehr unterschiedlich.

Zwei ungleiche Geschwister: Kleinwindkraft und Großwindkraft

Die Unterschiede sind in vielen Bereichen relevant: Markt, Branche, Technik, Genehmigung, Betreibermodell etc. Genauso wenig wie man PKW und LKW über einen Kamm schert, sollte man das mit kleinen und großen Windanlagen machen.

Kleinwindkraftanlagen werden für den Eigenverbrauch des Stroms vor Ort genutzt. Sie sind in den allermeisten Fällen niedriger als 30 m, das betrifft die Gesamthöhe in Form der höchsten Flügelspitze. Private Anlagen sind oftmals gerade mal 10 m hoch. Die Windanlage muss in unmittelbarer Nähe des Verbrauchers stehen.

Windparks umfassen Multimegawattanlage, die mittlerweile über 200 m hoch sein können. Es wird in industriellem Maßstab Strom für Dritte produziert und verkauft, die Verbrauchszentren sind oft weitab der Windparkstandorte. Die Windparks selbst dürfen nicht in der Nähe von Siedlungen aufgebaut werden.

Windpark - Windenergie-Anlagen

Vor 30 Jahren waren alle Windanlagen klein

Auch wenn Windparks heute in den Medien das Hauptthema sind: Großwindanlagen sind ein junges Phänomen. Der erste Windpark wurde in Deutschland im Jahr 1987 in Betrieb genommen: Der Windenergiepark Westküste in der Gemeinde Kaiser-Wilhelm-Koog in Schleswig-Holstein feiert 2017 sein 30-jähriges Jubiläum. Die ersten Windanlagen hatten dort eine Leistung von 25 Kilowatt (kW) und 30 kW. Es waren Kleinwindanlagen. Nach der international gebräuchlichsten Definition haben Kleinwindkraftanlagen eine Leistung geringer als 100 kW. Heute stehen im Windenergiepark Westküste Anlagen bis 2,3 Megawatt Leistung. Eine fast hundertfach höhere Leistung!

Kleinwindräder fügen sich harmonisch ins Landschaftsbild ein

Der Unmut gegenüber Windkraftanlagen in Teilen der Bevölkerung hängt zu einem Großteil mit der weiten Sichtbarkeit von Windparks in der Landschaft zusammen. Ich freue mich, wenn ich Windanlagen sehe, egal welche Größe diese haben. Aber die subjektiven Empfindungen sind nun mal unterschiedlich, das muss man akzeptieren.

Könnte man auf große Windparks verzichten und stattdessen nur Kleinwindanlagen aufstellen, da diese sich harmonisch ins Landschaftsbild einfügen? Definitiv nicht, Großwindkraftanlagen sind unverzichtbar, wenn man die Umstellung der Energieversorgung aufgrund des Klimawandels erfolgreich bewältigen will. Schlichtweg aufgrund der hohen Ertragskraft von Multimegawattanlagen. Ebenso wenig kann man auf LKWs verzichten und diese durch PKWs ersetzen.

Mini-Windrad ohne visuelle Störung

Zum Foto oben: In der Mitte des Bildes befindet sich eine Kleinwindanlage. Das Foto wurde etwa in einer Entfernung von rund 200 m aufgenommen. Man kann das private Windrad kaum erkennen. 

Windparks haben viel Wind

Aufgrund des Baurechts sind Kleinwindkraftanlagen in der Höhe stark begrenzt. Sonst dürften sie nicht in unmittelbarer Nähe von Gebäuden stehen.

Bei Windparks ist das anders: Aus gutem Grund werden die Windanlagentürme immer höher. Je höher der Rotor über dem Erdboden, desto stärker der Wind. Je stärker der Wind, desto mehr Strom wird produziert und desto wirtschaftlicher das Windkraftprojekt.

Die Windverhältnisse in 20 m Höhe und 100 m Höhe über Grund sind signifikant unterschiedlich. Für Kleinwind-Interessenten bedeutet das: Ein Windpark in der Nähe ist kein Indikator dafür, dass das eigene Grundstück für eine Kleinwindanlage geeignet ist!

Falsche Annahmen im Bauamt

So mancher Mitarbeiter im Bauamt unterscheidet nicht zwischen 15 m hohen und 150 m hohen Windanlagen. Obwohl die beiden Anlagentypen rechtlich gesehen vollkommen unterschiedliche Grundlagen für die Genehmigung mit sich bringen. Man mag es kaum glauben, aber es kommt immer noch vor, dass ein Bürger vom Bauamt mit der Feststellung abgewimmelt wird, dass Windanlagen prinzipiell nur auf Vorrangflächen fernab der Wohnbebauung installiert werden dürfen.

Bei der Besichtigung einer Kleinwindkraftanlage vor Ort wird man erkennen: Grundprinzip ist die strikte lokale Begrenzung. Das gilt für die Sichtbarkeit des Objekts, die Stromnutzung, Schattenwurf, Schall etc. Deshalb sind Miniwindanlagen gerne gesehen. Wenn man sie überhaupt zu Gesicht bekommt: Oft fallen sie schlichtweg nicht auf.

Tipp: Weitere Hinweise zur Planung einer kleinen Windanlage fürs Haus gibt es im Ratgeber Kleinwindkraftanlagen.