Kleinwindanlagen-Projekt in Österreich erfolgreich abgeschlossen

Österreich hat in den letzten Jahren mehrfach die Aufmerksamkeit der internationalen Kleinwind-Branche auf sich gezogen. Wir nehmen hier ein Praxisprojekt aus dem Alpenland unter die Lupe, welches charakteristisch für viele weitere potentielle Standorte in Österreich ist. Wesentliches Standortmerkmal ist das ausgeprägte Relief, die Bergwelt bringt besondere Herausforderungen mit sich. Windstarke Höhenlagen gibt es reichlich…

Anmerkung vom 01.07.2016:
Der Artikel wurde erstmals am 17.12.2016 veröffentlicht mit dem Titel: „Kleinwindanlagen-Projekt in Österreich steht kurz vor dem Abschluss“. Anlässlich der Installation der Windanlage wurde der Beitrag angepasst und aktualisiert.

Österreich mit aktiver und innovativer Kleinwind-Branche

Aus Österreich hört man regelmäßig von interessanten Kleinwindkraft-Vorhaben. Wie schon im Jahr 2015 wird auch in 2016 von der FH Technikum Wien eine internationale Kleinwindtagung organisiert. Den 15. und 16. September sollte man für eine Reise nach Wien vormerken. Hier gibt es weitere Infos zur Tagung. Die FH Technikum Wien zeigt sich für diverse Forschungsprojekte zu Kleinwindanlagen verantwortlich. Vorbildlich ist auch das Testfeld für Kleinwindenergieanlagen in Niederösterreich.

Kleinwindkraft-Projekt: Alm eines Landwirts in windstarker Höhenlage

Kleine Windkraftanlage in Österreich

Anfang November 2015 wurde die Erlaubnis zum Bau der Kleinwindanlage erteilt, die Installation erfolgte am 30.05.2016. Betreiber der Windanlage ist ein Landwirt in der Gemeinde Leogang im Land Salzburg. Der Jahresstrombedarf des Betriebs liegt bei rund 30.000 Kilowattstunden pro Jahr. Die Windturbine wird neben einer Alm mit Jausenstation auf einem windstarken Hangrücken in 1.228 m über dem Meer installiert. Die mittlere Jahreswindgeschwindigkeit liegt bei ca. 4 m/s. Ein guter Wert für einen Binnenland-Standort.

Eine Stromleitung führt zum 900 m entfernten Bauernhof. Ein Großteil des Stroms wird auf der Alm verbraucht. Der Reststrom wird zum Bauernhof transportiert. Sollte dann noch überschüssiger Strom vorhanden sein, erfolgt eine Einspeisung ins Stromnetz zu einem Tarif von 9,45 Cent pro kWh. Dieser spezielle Fördertarif für Windenergieanlagen muss vom Betreiber beantragt werden und wird für 13 Jahre gewährt. Doch deutlich lukrativer als die Einspeisung ins Stromnetz ist der Eigenverbrauch des Windstroms, da der Strompreis des Landwirts bei rund 18 Cent pro kWh liegt.

Im Foto unten ist die Alm mit dem gelben Punkt, der Bauernhof mit dem blauen Punkt markiert.

Standort Kleinwindkraftanlage Österreich
Quelle: SAGIS Salzburger Geographisches Informationssystem

Für Planung und Installation der Kleinwindenergieanlage ist die Elektrotechnik Leitinger GmbH aus Leogang zuständig. Hersteller des Windrads ist die Schachner Wind GmbH aus Oberösterreich.

Genehmigung im Land Salzburg war zeitaufwendig

Kleinwindanlagen Österreich GenehmigungSchwierigster Teil des Projekts war die Genehmigung der Kleinwindanlage, die sich über 2 Jahre hingezogen hat. Die Gemeinde war dem Projekt sehr aufgeschlossen, man hat darin ein umweltfreundliches Pilotprojekt für den Ort gesehen. Widerstand kam von der Bezirksbehörde und dem Land Salzburg.

Bedenken wurden wegen der eventuellen Beeinträchtigung von Fledermäusen geäußert. Eine Klage hat letztendlich zur Genehmigung geführt. Als Auflage wurde die Beobachtung etwaiger Fledermäuse gestellt. Sollten Flugtiere gesichtet werden bzw. Kollisionen entstehen, müsste die Windanlage von April bis Oktober nachts abgestellt werden. Probleme sind aus wissenschaftlicher Perspektive unwahrscheinlich: Untersuchungen einer Universität in Schottland haben ergeben, dass Fledermäuse drehende Rotoren von Kleinwindrädern erkennen und die Anlagen umfliegen.
Bei der Genehmigung ist die erste Kleinwindanlage oft die größte Hürde. Wenn Mitarbeiter von Genehmigungsbehörden die erste Anlage im Livebetrieb sehen, werden Bedenken oft ausgeräumt. Es bleibt zu hoffen, dass die Behörden diesen umweltfreundlichen Projekten offener gegenüber stehen. In der Bevölkerung sind Kleinwindkraftanlagen sehr beliebt. Die 19 m hohe Kleinwindturbine befindet sich noch unterhalb der Baumwipfel und ist generell aufgrund des kleinen Rotors in der Umgebung kaum sichtbar.

Kleinwindkraftanlage von Schachner Wind

Kleinwindenergieanlage von Schachner WindZur Anwendung kommt eine Kleinwindkraftanlage des österreichischen Herstellers Schachner Wind mit 10 Kilowatt Nennleistung auf einem 15 m hohen Mast. Bei den am Standort in Leogang herrschenden Windbedingungen wird man von rund 10.000 Kilowattstunden Stromerzeugung pro Jahr ausgehen können.

Die Qualität und Ertragskraft des Windrads von Schachner wurde auf dem Kleinwind-Testfeld in Österreich unter Beweis gestellt, so dass die Windturbine in den Kleinwind-Marktreport aufgenommen wurde. Der Hersteller betont den wartungsfreien Betrieb, da der Windgenerator ohne Getriebe und hydraulische Steuerungsteile entwickelt wurde. Der Leeläufer benötigt zudem keine elektronische Windnachführung.

Vielen Dank an Bernhard Stöckl von der Elektrotechnik Leitinger Photovoltaik GmbH für die Bereitstellung der Projektinfos und Fotos.

Weitere Informationen

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