BR Fernsehen ignoriert Kritik von Kleinwind-Experten

Bayerisches Fernsehen ignoriert Kritik von Kleinwind-Experten

In einem TV-Beitrag des Bayerischen Rundfunks (BR) über Kleinwindanlagen wird einseitig über einen Hersteller berichtet, obwohl zwei neutrale Kleinwind-Experten gegenüber der Redakteurin deutliche Kritik am technischen Konzept der Windanlage geübt haben.

Beitrag des BR in der Fernsehsendung „quer“

Am 01.10. ist im BR in der Sendung „quer“ ein rund fünfminütiger Beitrag über Kleinwindkraftanlagen gezeigt worden. Am 25.09. wurde ich als Betreiber des Kleinwindkraft-Portals von einer Redakteurin des BR kontaktiert. Als Kern des TV-Beitrags wurde die Vorstellung einer bayerischen Firma genannt, die eine vertikale Kleinwindanlage mit einem Savonius-Rotor entwickelt hat. Als Kleinwind-Experte habe ich klargestellt, dass das Konzept des Windradmodells „SuSi“ des Herstellers Euro-Windpower sehr fragwürdig ist und nicht moderner Kleinwind-Technik entspricht. Für Verbraucher besteht mit dem Kauf dieser Windanlage eine reelle Gefahr einer Fehlinvestition. Daraufhin habe ich weitere Kleinwindkraft-Experten kontaktiert. Als Reaktion hat der Kleinwind-Experte Uwe Hallenga der Redakteurin eine E-Mail geschrieben und auf die realitätsfremden Angaben auf der Internetseite des Herstellers hingewiesen.

Die deutliche Kritik der Experten findet sich  im Beitrag nicht wieder. Es wird davon geredet, dass „die Windanlage den Wind schon in geringer Höhe nutzen kann“. Die 10 m hohe Anlage könne bis zu 4.000 kWh pro Jahr erzeugen. „Ob die Anlage dieses Versprechen halten kann, muss sich erst noch zeigen“, wird im Beitrag erwähnt. Die Meinung der Kleinwind-Experten war aber: Die Anlage wird die Versprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht halten können.

Klarstellung:
Die Kritik an dem TV-Beitrag bezieht sich alleine auf das Kleinwind-Modell „SuSi“ der beiden Erfinderinnen aus dem Bayerischen Wald (Hersteller Euro-Windpower).

TV-Beitrag in der Mediathek des BR (ab Minute 27:10):
www.br.de/mediathek/video/sendungen/quer/151001-quer-komplett-100.html

Internetseite des Herstellers
www.euro-windpower.de/cms/index.php

Fragwürdige Angaben auf Webseite des Herstellers

Der Internetauftritt des Herstellers umfasst diverse irreführende und fragwürdige Angaben. Ein Beispiel: Auf der Seite „Hinweise / Sparpotential“ wird eine Berechnung zur Wirtschaftlichkeit dargestellt. Als mittlere Jahres-Energieausbeute werden 3.000 bis 4.250 kWh angegeben. Für einen Savonius-Rotor mit 4 kW Leistung in 10 m Höhe im windschwachen Bayern illusorisch. Nicht realistisch sind auch die 1.950 Vollaststunden für eine Kleinwindanlage. Die Zahl wird aus dem Bayerischen Energieatlas abgeleitet, auf den von der Seite des Herstellers verwiesen wird. Im Energieatlas wird klar angegeben, dass sich die 1.950 Volllaststunden auf Großwindkraftanlagen mit einer typischen Leistung von 2,5 MW beziehen. Deren Rotormitte befindet sich in der Regel 100 m über dem Boden oder höher. Diese Windbedingungen auf ein Kleinwindrad mit 10 m Höhe zu beziehen widerspricht den Grundlagen der Windenergie.

Experten-Meinungen zum TV-Beitrag über die SuSi-Windanlage

 

Uwe Hallenga

Betreiber Kleinwindanlagen-Forum: www.kleinwindanlagen.de

„Sehr, sehr schade.  Eine verpasste Chance für eine Redaktion, Dinge richtig zu stellen und Zuschauer vor Fehlinvestitionen zu warnen. Wieder einmal erweist ein großer Sender der Kleinwindbranche einen Bärendienst, in dem er eine fragwürdige Neuentwicklung herauslobt. Es bleibt wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich die ersten enttäuschten Kunden melden. Von mir dazu nur ein verständnisloses Kopfschütteln, denn die Redakteurin wurde von mir vor den technischen Schwächen dieser Anlage gewarnt.“

Uwe Hallenga (Foto: Fachagentur Frey)

Uwe Hallenga (Foto: Fachagentur Frey)

Günther Hacker

Fachbuch-Autor und Geschäftsführer des Solar-Wind-Team: www.wind-mobil.de

„Dieses Windrad in dem Video ist wieder ein Beispiel für eine Erfindung, die ohne oder nur mit geringen physikalischem Wissen gemacht und propagiert wird. Schlimm sind die völlig unrealistischen Leistungsbehauptungen der Erfinderin oder des Herstellers, die nicht informierte Interessenten täuschen könnten. Leider tauchen immer wieder Firmen auf, meist nur für kurze Zeit, die mit fragwürdigen Windradneukonstruktionen Geld verdienen wollen.“

Günther Hacker - Kleinwind-Experte

Günther Hacker

Patrick Jüttemann

Betreiber Kleinwindkraft-Portal: www.klein-windkraftanlagen.com

„Ich habe der Redakteurin des BR im Rahmen ihrer Recherche klar gesagt, dass ein Bericht über den Hersteller Euro-Windpower den Zuschauern ein vollkommen falsches Bild von Kleinwindkraftanlagen vermittelt. Mit moderner Kleinwind-Technik hat das nichts zu tun. Solche Berichte schaden der Kleinwind-Branche und der Energiewende.“

Patrick Jüttemann

Patrick Jüttemann

Bayerisches Fernsehen ohne redaktionellen Qualitätsanspruch?

Auf dem Kleinwindkraft-Portal wurde in der Vergangenheit berichtet, dass unsinnige Presseartikel über Kleinwindenergieanlagen die Verbraucher täuschen. Manche Redaktionen handeln aus Unwissenheit. Aber im Falle des BR-Beitrags wurden im Rahmen der Recherche kritische Informationen in Erfahrung gebracht, die unter den Tisch gekehrt wurden. Von einem mit Steuern finanzierten staatlichen Fernsehsender muss man erwarten können, dass dieser den Pressekodex einhält. Der Kodex beinhaltet unter anderem folgende Regeln:

„Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.“

„Für eine Nachricht braucht es mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen. Bei Konflikten sind die Positionen beider Seiten darzustellen.“
(Quelle: Wikipedia-Artikel „Pressekodex“)

Der BR hätte demnach die kritischen Hinweise der Experten im Beitrag erwähnen müssen, zum Schutze der Zuschauer und Verbraucher. Die Vorgaben des Pressekodex wurden vom BR nicht eingehalten.

Autor: Patrick Jüttemann