Die Baugenehmigung der Kleinwindanlage ist erteilt, die Anlage bestellt – doch wie läuft die eigentliche Montage ab?
Die Errichtung ist in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen abgeschlossen. Damit das reibungslos klappt, müssen allerdings einige Vorarbeiten erledigt sein, bevor der Installateur anrückt.
Dieser Artikel behandelt freistehende Windkraftanlagen mit Gesamthöhen von 10 bis 50 Metern – keine Dachinstallationen, die generell nicht empfehlenswert sind. Es wird erläutert, welche Vorbereitungen nötig sind, wie die Montage typischerweise abläuft und welche Fehler vermieden werden sollten.
Die Informationen stammen vom Kleinwindkraft-Experten Marco Hansen aus Schleswig-Holstein, den ich ausführlich zum Thema befragt habe habe.
Inhaltsverzeichnis
Vorbereitung der Installation
Fundament
Das Fundament muss fertig gegossen und ausgehärtet sein. Im Rahmen der Planung der Kleinwindanlage sollten für das Aushärten des Betons rund 4 Wochen kalkuliert werden.
Die Bauweise des Fundaments hängt vom Masttyp ab: Bei einem Rohrturm wird ein zentrales Betonfundament benötigt, bei einem Gittermast vier kleinere Eckfundamente. Bei schwierigen Bodenverhältnissen können zusätzliche Maßnahmen wie Erdaustausch oder Pfahlgründung nötig sein.
Aus dem Fundament sollten die Kabel lang genug herausragen (ca. 2 m), damit der Anschluss an den Turm problemlos möglich ist. Ebenso muss der Erdungsanschluss mit eingeplant und herausgeführt werden.
Bei den Leerrohren gilt: Keine 90-Grad-Knicke – sonst lassen sich die Kabel später nicht durchschieben.

Zuwegung
Eine befestigte Zufahrt zum Fundament ist dringend zu empfehlen. Sie ermöglicht die Anfahrt von Kran und Hubsteiger sowie spätere Wartungsarbeiten. Ohne befestigten Weg drohen bei nasser Witterung Probleme, nasser Boden bietet keinen Halt.
Ein einfacher Aufbau: ca. 30 cm ausheben, Recyclingschotter einfüllen, dünne Erdschicht darüber. Die Zusatzkosten lohnen sich langfristig.
Kabel und Netzanschluss
Die Kabel vom Fundament bis zum Wechselrichter-Standort sollten bereits verlegt sein. Ebenso muss der Netzanschluss vorbereitet und Platz für den Wechselrichter eingeplant sein. Neben dem Leistungskabel ist auch eine Steuerleitung für Wind- und Temperatursignale erforderlich.
Bei größeren Distanzen (100 bis 200 Meter) zwischen Anlage und Gebäude steigt der erforderliche Kabelquerschnitt. Eine Option sind dann kostengünstigere Aluminiumkabel. Ein Adapterkasten am Turmfuß und am Haus ermöglicht den Übergang auf Kupferkabel.
Mögliche Eigenleistung
Anders als bei Photovoltaik ist bei Kleinwindanlagen nur wenig Eigenleistung möglich. Was man selbst vorbereiten kann:
- Zuwegung anlegen
- Lieferteile an der richtigen Stelle ablegen
- Verpackung teilweise entfernen
- Paletten und Hölzer als Unterlage für die Vormontage bereitstellen
Beim Fundament sollte man dagegen eine Fachfirma beauftragen. Der Betreiber trägt die Verantwortung für den sicheren Betrieb – bei Eigenleistung ohne Nachweis entsteht eine problematische Haftungssituation.
Ablauf der Montage
Die eigentliche Errichtung einer Kleinwindanlage dauert etwa zwei Tage. Bei Anlagen mit Kippmast ist die Montage unter Umständen an einem Tag möglich.
Tag 1: Vormontage am Boden
Am ersten Tag werden alle Komponenten ausgepackt und vorbereitet:
- Turmsegmente auslegen, Bohrungen und Bolzen prüfen
- Schraubverbindungen kontrollieren
- Bei Anlagen bis 18 m Gesamthöhe: komplette Vormontage am Boden – Gondel wird auf den Mast gesetzt
- Rotor bleibt zunächst separat, Windfahne wird montiert
- Gondelverkleidung wird erst später aufgesetzt
- Kabelanschluss herstellen und Isolationsmessung durchführen
- Wechselrichter und Lastwiderstände installieren (wenn nicht schon geschehen)

Tag 2: Errichtung
Am zweiten Tag erfolgt das Aufstellen des Mastes mit Kran und Hubsteiger. Der reine Hubvorgang dauert etwa 2 bis 3 Stunden inklusive Auf- und Abbau des Krans. Bei größeren Anlagen (z. B. 24 m Mast) wird in zwei Etappen errichtet – das verlängert die Zeit um etwa eine Stunde.
Nach dem Aufrichten werden oben die Rotorblätter montiert und die Anlage in Betrieb genommen.

Kippmast als Alternative
Bei einem Kippmast entfällt der Kran. Die gesamte Anlage – Mast, Gondel, Rotor, Windfahne und Kabel – wird komplett am Boden vormontiert und dann aufgekippt.
Der Vorteil: geringere Kosten, da weder Kran noch Hubsteiger benötigt werden. Allerdings empfiehlt sich vorher eine Trockenübung mit dem nackten Mast (ohne Gewicht oben), um zu prüfen, ob alle Schrauben passen und der Kippvorgang sauber funktioniert.
Ein Hinweis aus der Praxis: Vor dem Aufrichten muss die Anlage kurzgeschlossen oder gesichert werden – sonst läuft sie bei Wind sofort an.

Ohne Kippmast
Auch bei kleineren Masthöhen von etwa 8 Metern sind Hilfsmittel wie Bagger oder Teleporter nötig. Die Generatoren wiegen oft über 200 kg und lassen sich nicht per Hand heben.

Typische Fehlerquellen vermeiden
Bei der Installation einer Kleinwindanlage gibt es einige Punkte, die später nicht mehr oder nur schwer korrigiert werden können. Wer diese von Anfang an beachtet, spart sich Ärger und Folgekosten.
Kabelschutz im Turmkopf
An Stellen, an denen das Kabel am Turm scheuern könnte – vor allem im Turmkopfbereich –, sollte ein zusätzlicher Schutzschlauch übergezogen werden. Nach der Errichtung ist diese Stelle nicht mehr zugänglich.
Schraubverbindungen sauber vorbereiten
Nach der Verzinkung sind Bohrungen oft mit Zink zugelaufen. Diese müssen vor der Montage freigemacht werden. Ebenso sollten Zinkreste auf den Flanschflächen abgeschliffen werden, damit eine saubere, plane Auflagefläche entsteht. Das verhindert Wassereintritt und Korrosion.
Die Bolzen sollten sich sauber und ohne Hammerschläge einführen lassen. Korrekt montierte Schraubverbindungen sind langfristig nahezu wartungsfrei.
Zugentlastung und Kantenschutz
Kabel dürfen nicht frei an einer Kante hängen. Eine Zugentlastung ****und ein entsprechender Kantenschutz sind Pflicht – sonst drohen Beschädigungen durch das Eigengewicht des Kabels.
Generatorwelle fetten
Vor der Montage der Nabe sollte die Generatorwelle gefettet werden. Das erleichtert später das Lösen bei Wartung oder Demontage erheblich.
Richtige Drehmomente
Die Schraubverbindungen erfordern hohe Anzugsmomente:
- Am Turm: 450 bis 600 Nm
- Am Turmfuß: bis zu 1.000 Nm und mehr
Dafür ist Spezialwerkzeug erforderlich, das ein Standard-Elektriker in der Regel nicht hat.

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Wer macht was?
Bei der Installation einer Kleinwindanlage sind verschiedene Fachleute beteiligt. Eine klare Aufgabenteilung sorgt für einen reibungslosen Ablauf.
Installateur / Fachbetrieb für Kleinwindanlagen
- Vormontage am Boden
- Errichtung des Mastes
- Montage von Gondel und Rotor
- Kabelanschluss in der Anlage
- Isolationsmessung
- Inbetriebnahme
Lokaler Elektriker
- Netzanmeldung beim Netzbetreiber (der Elektriker muss beim Netzbetreiber registriert sein)
- Zähler setzen
- Hausanschluss herstellen
- Installation von Wind-Wechselrichter und Lastwiderständen
- Kabelverlegung im Erdreich (alternativ durch Erdbauer)
Fachfirmen
- Betonbauer: Fundament nach Herstellervorgabe gießen
- Erdbauer: Kabelgraben ausheben, Zuwegung anlegen
Kranunternehmen
- Bereitstellung von Kran und Hubsteiger für die Errichtung
Fazit
Die Installation einer freistehenden Kleinwindanlage erfordert gute Vorbereitung und das Zusammenspiel mehrerer Fachleute. Wenn Fundament, Zuwegung, Kabel und Netzanschluss rechtzeitig fertig sind, steht die Anlage in ein bis zwei Tagen.
Die drei Kernpunkte:
- Vorarbeiten abschließen: Fundament, Kabel, Zuwegung und Netzanschluss müssen vor dem Montagetermin fertig sein.
- Fachbetriebe einsetzen: Beim Fundament und bei der Elektrik sollte man auf Profis setzen – schon aus Haftungsgründen.
- Details beachten: Kabelschutz, saubere Schraubverbindungen und richtige Drehmomente entscheiden über die Langlebigkeit des Bauwerks.
Empfehlung: Stimme dich frühzeitig mit dem Installateur ab, welche Vorarbeiten du selbst organisieren musst und welche Gewerke er koordiniert. Eine klare Aufgabenteilung spart Zeit und vermeidet Missverständnisse am Montagetag.
Experte im Fokus: Marco Hansen
Dieser Fachartikel basiert auf einem Gespräch mit Marco Hansen, der seit 1996 in der Windenergie zuhause ist. Neben der Erfahrung mit großen Windenergieanlagen hat er in den letzten Jahren auch viel Expertise mit der Installation, Wartung & Reparatur von Kleinwindkraftanlagen aufgebaut. Marco ist gelernter Elektromaschinenbauer und Elektrofachkraft aus Schleswig-Holstein. Hauptberuflich ist Marco bei der RECASE Regenerative Energien GmbH als Bereichsleiter Service Engineering tätig. Nebenberuflich betreut er Kunden und Projekte im Bereich der Kleinwindkraft.


